Zartes und Derbes
Jetzt allmählich kann ich wirklich dirigieren; jetzt weiß ich, wie man umsetzt, was man innerlich hört.» So lautete Wilhelm Furtwänglers Geständnis nach seiner Salzburger «Zauberflöte» im Sommer 1949. Die originalen Rundfunkbänder des «Zauberflöten»-Mitschnitts gingen verloren, wohl aber blieben einige technisch unbefriedigende Kopien erhalten, die immer wieder in mehreren Grau- und Schwarz-Importen auf dem Markt kursierten. Jetzt gibt es eine legalisierte und digitalisierte Fassung dieser Bänder in CD-Form.
Karl Schmitt-Walter singt den Pagageno mit seiner hohen, schlanken Bariton-Stimme auf natürliche, fast vornehme Weise. Als Tamino hören wir Walther Ludwig mit gleichermaßen lyrischem wie klarem Tenor, angereichert um einige leicht heldische Nuancen. Josef Greindl bietet, wie auf der späteren Fricsay-Aufnahme, einen zwar eindringlichen, aber nicht unbedingt stimmfeinen Sarastro. Seine Gegenspielerin ist Wilma Lipp, die der nächtlichen Königin einige Unstetigkeiten nicht versagt. Außerdem begegnen wir der Ungarin Edith Oravez, die die Papagena in Salzburg auch 1951 und 1952 gesungen hat. Irmgard Seefrieds Pamina bildet dank der Reinheit und Ausgeglichenheit ihres Vortrags – einige ...
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Auch wenn Hans Günter Nöcker eigentlich ein pragmatischer, eher unsentimentaler Mensch ist, dieser Toast auf der Bühne der Bayerischen Staatsoper zu seinem 75. Geburtstag am 22. Januar 2002 rührte den Herrn Kammersänger zu Tränen, hatten doch alle Anwesenden spontan in das «Happy Birthday» von Chor und Solisten auf der Bühne des Nationaltheaters nach dem Ende der...
Von den Protesten, die der Bayreuther «Ring»-Produktion 1976 entgegenschlugen, können sich viele, die nicht dabei waren, heute kaum noch eine Vorstellung machen. Dass grimmig blickende Menschen mit Transparenten um das Festspielhaus liefen, auf denen, groß und ernst gemeint, ein Alberich-Zitat stand, war dabei noch das Geringste: «Verflucht sei dieser ‹Ring›»....
Nach diesen Juli-Tagen in London wird nichts mehr so sein, wie es war. Eine extreme erste Woche, wie diese Stadt sie in Friedenszeiten wohl noch nie erlebte, prall gefüllt von Leidenschaft, Euphorie und Trauer. Zunächst am ersten Wochenende des Monats das von Bob Geldof organisierte Open-Air-Konzert im Hyde Park, dessen Titel-Wortspiel «Live-8» die angestrebte...
