Work in progress
Gemessen an der historischen Bedeutung des Stoffes, komponierte Mozart seinen «Lucio Silla» glatt am Thema vorbei: Statt den heroischen (und nach wie vor außergewöhnlichen) Entschluss des römischen Diktators Lucius Sulla zu würdigen, die Macht zurück in die Hände des Volkes zu legen, interessierte sich der Sechzehnjährige hauptsächlich für diejenigen Personen des Librettos, die seinem eigenen pubertären Gefühlshaushalt offenbar am nächsten kamen: die leidende Giunia, den redlichen Cinna und vor allem den jungen Rebell Cecilio, dem er mit «Il tenero momento» und «Pupille am
ate» auch die beiden schönsten Arien des Werks auf den Leib schrieb. Dass der resignierende Usurpator, dessen charakterliche Wandlung eigentlich die größere musikalische Herausforderung gewesen wäre, in dieser letzten für Italien geschriebenen Mozart-Oper ziemlich hintenüberfällt, liegt allerdings auch in den Komplikationen begründet, die der Mailänder Uraufführung im Dezember 1772 voraufgingen: Weil der ursprünglich mit der Titelrolle betraute Tenor Arcangelo Cortoni krankheitshalber ausfiel und durch den mit begrenzten darstellerischen Kapazitäten ausgestatteten Bassano Morgnoni ersetzt werden musste, ...
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Ein Aufruf zur Stille ist immer gut. Auch Angelo Polizianos Auseinandersetzung mit dem Orpheus-Stoff beginnt mit einem «Silenzio». Irgendwie ist dieses Gebot bezeichnend für die gesamte Aufführung des Ensembles «La Compagnia dell’Orpheo» unter Francis Biggi. Durchweg siegt die Kunst des Diskreten. Es ist eine Musik, die über weite Strecken ohne Forte auskommt, in...
Man kann sich nur ausmalen, welche Überwindung es Mary Ann McCormick gekostet haben mag, Stephan Mannteuffels Scheußlichkeit von Kleid zu tragen. Es soll ja vorkommen, dass Teenies solche blassen Tuchkonstruktionen für sexy halten – aber eine doch schon reifere Carmen? Ausgeschlossen! Trotzdem schlängelt die Sängerin solchermaßen eingewickelt in Lillas Pastias...
Mats Ek, als Choreograf sind Sie weltberühmt. Als Schauspielregisseur sind Sie in Schweden eine anerkannte Größe. An der Stockholmer Oper arbeiten Sie zum ersten Mal. Und doch sind Sie, was die Opernregie betrifft, kein unbeschriebenes Blatt.
Das stimmt, ist aber schon 35 Jahre her. Ich habe nicht nur einen Gluck inszeniert, sondern auch eine «Zauberflöte» mit der...
