Wissender Träumer

Zum Tod von Sir Charles Mackerras

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Mehrere Male durfte ich Charles Mackerras in seinem Londoner Heim besuchen, um ihn zu interviewen. Das Haus liegt am Rand des pittoresken Stadtteils Little Venice, wo der Grand Union Kanal und der Regents Canal sich treffen und zahlreiche der für Großbritannien so typischen bunt bemalten Hausboote ankern. Ganz in der Nähe auch das legendäre Stadion «Lord’s», in dem ausschließlich Cricket gespielt wird, das so typisch englische Spiel.

Und als typisch englische Erscheinung galt auch Sir Charles, obwohl er 1925 als Sohn australischer Eltern in Scenectady unweit von New York geboren wurde und in Sydney aufwuchs, wo er am New South Wales Conservatory studierte. Als 22-Jähriger kam er nach London und machte die Metropole zu seiner Wahlheimat. In Australien galt er nach eigener Aussage als pommyfied («Pommies» ist der australische Slang-Ausdruck für die Engländer).

Beim erneuten Abhören der Interviews fällt mir der insistierende Schlag der Pendeluhr in Mackerras’ Wohnzimmer auf (ein konstantes Memento mori im Hintergrund, dem ich damals wenig Beachtung schenkte), der mich nun im Zusammenhang mit seinem doch plötzlichen Krebstod – er wäre im November 85 Jahre alt geworden, hatte noch viele ...

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Opernwelt September/Oktober 2010
Rubrik: Magazin: Erinnerungen, Seite 98
von Gerhard Persché

Vergriffen
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