Wirbelnde Umschlingung
Schon in den ersten Tönen der Eingangsarie aus dem Oratorium «La resurrezione» entzünden die Mitglieder des Ensembles Il Giardino Armonico unter der Leitung von Giovanni Antonini ein Feuer. Und in keiner Nummer dieses Albums, das sich Werken des jungen Händels widmet, lässt die Hitze nach. Julia Lezhneva lässt sich von der Glut des Orchesters erfassen, facht sie selbst noch an durch ihren furiosen Gesang. Auch in rasend schnellem Tempo singt sie die Koloraturen präzise, jeder Ton sitzt, nicht die geringste Anstrengung ist zu hören. Lezhnevas Stimme wird selbst zum Instrument.
Melodische Konturen zeichnet sie dicht wie eine Violine. Stets beseelt der menschliche Atem den Klang.
Sängerin und Orchester sind Ausdrucksextremisten. Gegenstück zur aberwitzig virtuosen Eröffnung ist das Finale, die Schlussszene aus «Il trionfo del tempo e del disinganno». Bellezzas Arie «Tu del ciel ministro eletto» klingt wie weltenthoben. Die Tonart E-Dur ist am äußeren Rand des zur Händel-Zeit gebräuchlichen Spektrums angesiedelt, Streicher und Oboen tupfen Akkorde: Musik am Rande des Nichts. Eine Solovioline erhebt sich, bevor Bellezza über sanft getupftem Untergrund Melodiebögen von inniger ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2016
Rubrik: CD des Monats, Seite 27
von Thomas Seedorf
Armer Shakespeare! Wie haben sie ihn misshandelt!», nörgelte Giuseppe Verdi, nachdem er die Partitur zu Ambroise Thomas’ «Hamlet» durchgesehen hatte. Freilich meinte er damit vor allem das Libretto. Er hatte eigentlich ja selbst vor, einen «Hamlet» zu komponieren. Oder «Romeo und Julia». Oder den «Sturm». Oder aber, und vor allem, sein Lieblingsschauspiel «Lear»....
Mit Ihrer hochgelobten Lied-CD haben Sie viele überrascht. War das Projekt als Fingerzeig gedacht, nach dem Motto: Hallo, ich kann auch anderes?
Ein bisschen war das so. Als dramatischer Mezzo ist es nicht leicht, mit der kleinen Form Aufmerksamkeit zu erregen, weil man abgestempelt ist. Dabei bin ich eigentlich mit dem Lied groß geworden: Als mein Pianist Markus...
Kapitän ist auch nicht einfach. Hoch auf der Brücke stehen, das große Rad drehen und den Blick über die Weiten des Meeres schweifen lassen? Das war gestern. Olaf Hartmann hat viel mehr zu tun als die «Europa» auf Kurs zu halten; meist läuft das 1999 in Helsinki vom Stapel gelaufene Fünf-Sterne-Plus-Kreuzfahrtschiff ohnehin auf Autopilot. Der Kapitän ist überall zu...
