«Wir sind doch keine Konzeptspuckapparate»
Eine Intendantin, die vom interdisziplinären Diskursverständnis kommt. Eine Regisseurin, die zwischen freier Szene und dem guten, alten Stadttheater pendelt.
Und eine Dramaturgin, deren Wurzeln nicht nur in der Musik, sondern auch und gerade im naturwissenschaftlichen Bereich liegen: Aus dieser spannenden personellen Konstellation heraus entwickelt sich eine Debatte über Sinn und Zweck des Musiktheaters, seine soziopolitischen Implikationen, über Regiehandschriften, schwergängige Logistik, neue Zuschauerschichten und den erbaulichen Lebkuchenspruch, das Große werde sich aus eigener Kraft durchsetzen
Der österreichische Essayist Michael Scharang hat unlängst in einem Beitrag für die Zeitschrift «konkret» die These vertreten, Kunst müsse sich, um Kunst zu sein, gegen das Bestehende richten. Übertragen auf die Kunstform Musiktheater würde das bedeuten, diese müsse eine Art Pfahl im Fleische der Gesellschaft sein. Stimmt das so?
Laura Berman: Es ist in der Kunst, also auch im Musiktheater, immer leichter, das Schöne zu lieben und Freudiges, Utopien und Visionen zu vermitteln, wenn man einen Gegenpol hat. Ich bin mir jedoch nicht ganz sicher, ob die These richtig ist. Jeder, der mit ...
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Opernwelt Jahrbuch 2019
Rubrik: Musiktheater heute, Seite 116
von Jürgen Otten
Es war eine schwere Geburt. Sieben Jahre, von 2010 bis 2017, arbeitete György Kurtág an seiner Beckett Oper «Fin de partie». Und selbst die Partitur, die im November 2018 an der Mailänder Scala uraufgeführt wurde, unter der musikalischen Leitung von Markus Stenz, in Pierre Audis behutsam existenzialistischer Regie und mit vier fantastischen Gesangssolisten,...
Dass die Opéra national du Rhin zum «Opernhaus des Jahres» gewählt wurde, wäre für die Generalintendantin der drei Häuser in Strasbourg, Colmar und Mulhouse eine große Freude gewesen. Aber Eva Kleinitz hätte sich keine Sekunde auf den Lorbeeren ausgeruht. Vielmehr die Auszeichnung zum Anlass genommen, ihre künstlerische Mission mit der ihr eigenen Fantasie,...
Dieses Opus, diesen Komponisten hatte bis vor Kurzem so gut wie niemand auf dem Schirm: «Guercœur» von Albéric Magnard. Erst zwölf Jahre nach Magnards Tod – er wurde 1914 von deutschen Soldaten erschossen, als er sein Haus verteidigen wollte – erklang die «Tragédie en musique» des Einzelgängers, der den Pariser Kultursalons stets fern geblieben war, zum ersten...
