Wiedergeburt einer Jugendstil-Ikone
Der Zeitpunkt für die Wiedereröffnung war geschickt gewählt: der 22. Oktober, Geburtstag von Liszt Ferenc – Nationalheiliger, Gründer und Namensgeber der Budapester Musikakademie. Vorabend der Rebellion von 1956 und Proklamation der Republik 1989. Eine solche Gelegenheit lässt sich Viktor Orbán, Ungarns starker Mann, natürlich nicht entgehen. Als der rechtskonservative Ministerpräsident im aufwändig restaurierten Hauptgebäude der «Zeneakadémia» die Bühne des Konzertsaals betritt, hebt rhythmisches Klatschen an.
Bestellter Applaus getreuer Fidesz-Leute? Spontaner Beifall des handverlesenen Gala-Publikums, das sich freut, mit der Akademie eine Ikone der nationalen kulturellen Identität wiedergewonnen zu haben?
Vierzehn Millionen Euro hat die denkmalschutzgerechte Sanierung und technische Modernisierung des Jugendstilpalastes gekostet. Neun Zehntel dieser Summe wurden aus Fonds der ungeliebten EU finanziert. András Batta, der scheidende Rektor, strahlt wie ein Honigkuchenpferd. Zehn Jahre lang hat der Musikwissenschaftler die Akademie geleitet und nun seinen großen Auftritt. Mit Orbán sei Batta gut befreundet, heißt es. Ein «Regierungsbeauftragter» ohne Geschäftsbereich. Zoltán Balog, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Albrecht Thiemann
Vor fünf Jahren hat der Bariton Johannes Martin Kränzle, damals noch eine regionale Größe, sein erstes Recital «Die Mitternacht zog näher schon» herausgebracht, mit dem (nur teilweise zutreffenden) Untertitel «Romantische Balladen, in dem er die Entwicklung dieses Lied-Genres von Carl Loewe bis Ferruccio Busoni dokumentierte. Schon dort überzeugten seine...
Für den imaginären, idealen Solisten waren die Arien nie gedacht. Barocke Oper, das hieß vor allem Maßanfertigung – egal, ob das durch den dramatischen Augenblick gerade motiviert war oder nicht. Eventuelle Schwächen der Stars wurden gekonnt kaschiert: War die Stimme zu wenig umfangreich, wurde mehr Zierrat eingeflochten. Und war die Kollegin in den Wiederaufnahmen...
«Verdi im Visier» – so lautet das martialisch anmutende Motto für eine Aufführungs-Trias der Staatsoper Hamburg von drei frühen Opern des Komponisten: «La battaglia di Legnano», «I due Foscari» und «I lombardi alla prima crociata» unter der musikalischen Leitung von Simone Young und in der Regie von David Alden. Schon nach den beiden ersten Aufführungen kann man...
