Wie Barocktheater aussehen kann
Die Beschäftigung mit historischen Formen der Aufführungspraxis ist seit zweihundert Jahren Gegenstand zunächst der Theatergeschichtsschreibung und Theaterwissenschaft wie gleichzeitig ihrer musikalischen Pendants. Anders als ihren von Noten lebenden Schwestern fehlten der Theaterpraxis aber ein Gustav Leonhardt und Nikolaus Harnoncourt, die die Theorie allen Unkenrufen und allem Spott zum Trotz konsequent in die Praxis umsetzten. In der Musik hat sich die Historische Aufführungspraxis mittlerweile durchgesetzt und zwingt heute sogar Mainstream-Musiker umzudenken.
Die Historische Aufführungspraxis des Theaters macht dagegen gerade jene Kinderkrankheiten durch, an denen die der Musik in den fünfziger Jahren laborierte: Sie ist ein von der Mehrheit belächeltes Nischenprodukt, eine skurrile Marotte einiger Eigenbrötler, die linkisch versuchen, vollkommen fremde Arten des Gehens, Sprechens, Gestikulierens auf bekannte Texte anzuwenden.
Der Pariser Theorbist Vincent Dumestre, Leiter des warmtönenden Barock-Ensembles Le Poème Harmonique, betont denn auch, dass es in seiner teilweise fulminanten, in vielem aber auch hölzernen Annäherung an die barocke Theaterpraxis der ...
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Noch vor vierzig Jahren hätte sich kein Opernfreund vorstellen können, dass eine Produktion von Lortzings «Undine» einmal unter die Rubrik «Ausgrabung» fallen würde. Aber inzwischen ist das einst so beliebte Werk derart gründlich von der Opernbühne verschwunden, dass man für das vergangene Jahrzehnt nicht einmal auf fünf Aufführungen an deutschen Theatern kommt....
Für die Liebe sterben – das darf man in der Oper ja fast immer wörtlich nehmen. In Minoru Mikis neuester, fürs und im New National Theatre in Tokio entstandenen Oper ist das nicht anders: «AI-EN» trägt den Liebestod bereits im Titel, Miki erzählt darin zusammen mit seiner Librettistin Jakucho Setouchi die Geschichte einer geheimen Melodie – und, klar doch, einer...
Er hat das moderne Regietheater praktiziert, als es den Begriff noch gar nicht gab. 1961 inszenierte Bohumil Herlischka in Düsseldorf einen «Freischütz», der auf empörte Ablehnung stieß und ihm trotz vorangegangener spektakulärer Erfolge wie mit der Ausgrabung von Schostakowitschs Urfassung der «Lady Macbeth von Mzensk» (1959) fast ein Arbeitsverbot einbrachte....
