Werkstatt mit Erlebniswert
Mit ihren Opernfestspielen sucht die Bayerische Staatsoper diesmal den Spagat zwischen bewährt-souveränem Handwerk und ergebnisoffenem Experiment. Händels «Agrippina» etwa geht mit enormer Spiellust und virtuoser Verve über die Bühne des Prinzregententheaters.
Das Nebenprogramm überrascht mit zeitgenössischem Musiktheater, das in großer stilistischer Vielfalt und griffigen, teils immersiven Formen Themen unserer Gegenwart behandelt
Ob geplant oder spontan: Nicht nur dieser Abend, so verkündete es Intendant Nikolaus Bachler auf der Premierenfeier, die ganze Produktion sei dem Ehrengast gewidmet. Überhaupt sah man es Vorgänger Peter Jonas schon vorher an, wie sehr er – nach einem weiteren Krankheitsschub – all das genoss, Genugtuung spürte, sich freute. Da war er im Münchner Prinzregententheater nicht allein. Als ob es ausgehungert sei, so gierig feierte das Publikum «Agrippina». Elf Jahre (!) hat es schließlich gedauert, nach einem «Tamerlano» von Pierre Audi, bis die Bayerische Staatsoper wieder eine Händel-Produktion herausbrachte. Dabei hatte doch Jonas dafür gesorgt, manchmal mit bis zu zwei Projekten pro Saison, dass der Caro sassone neben Wagner, Strauss und Mozart zum ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 40
von Markus Thiel
Vom Teatro alla Scala gibt es die schönen, noch auf die Zeiten Toscaninis zurückgehenden Plakate mit den dekorativen Lorbeerzweigen und dem roten Kreuz des Mailänder Stadtwappens in der Mitte. Mit dem emblematischen Logo waren bis vor Kurzem auch die Eintrittskarten geschmückt. Sie wurden von Hand eingetütet, per Post verschickt und galten bei den Besuchern als...
Was ist eine «immersive Musikperformance»? Im Grunde das, was jede Nacht im Techno- oder Club-Milieu abgeht: eine Verführung, sich körperlich in Schall und Licht zu verlieren. Kein Zufall also, dass die deutsch-französische Musiktheatercompagnie La Cage und das Ensemble Miroirs Étendus für ihr Projekt «I’d rather sink» eine Location wie das Berliner Berghain...
Großer Bahnhof für Wolfgang Wagner, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Einen «fränkischen Sokrates» hatte ihn einst Walter Jens genannt. Fast 60 Jahre leitete er die Bayreuther Festspiele (davon 15 mit seinem Bruder Wieland). Nun wurde er nicht nur in Haus Wahnfried mit einer Ausstellung geehrt, von der vor allem viele bislang unveröffentlichte Fotos...
