Wer war's? War er's?
Einen ganz neuen, überraschenden Surround-Sound hatte Moritz Eggert versprochen. Einen Klang, der dank überall im Raum aufgestellter Boxen die Zuhörer umhüllen sollte. Im zweiten Rang der Komischen Oper ist davon am Premierenabend nichts zu spüren. Was die Mikrofone vom Orchester und von den Stimmen einfangen, schallt aus der großen Lautsprecherbatterie, die über der Bühne hängt, frontal in den Saal. So wie das auch bei Musicalaufführungen üblich ist.
Eggert komponiert bewusst populär, er will dem Publikum entgegenkommen.
Darum erweitert er die klassische Orchesterbesetzung um E-Gitarre, E-Bass, Saxofon, Akkordeon und vier Keyboards, setzt außerdem einen wortlos singenden Chor in den Graben sowie zwei Solisten (Alma Sadé und Tansel Akzeybek). Was Generalmusikdirektor Ainārs Rubiķis mit fliegenden Händen koordiniert, klingt mal nach Songs von Kurt Weill, mal nach Disco aus den 1980er-Jahren, mal nach Filmmusik mit Bläserbombast, dann wieder nach Atmo-Klangteppich. Das hält die Geschichte zwar in der Schwebe zwischen Einst und Jetzt, bleibt künstlerisch aber letztlich so unentschieden wie der Abend selbst.
Zusammen mit seinem Chefdramaturgen Ulrich Lenz hat Intendant Barrie Kosky ...
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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Frederik Hanssen
Zwar regnet es selten in dieser südlichen Gegend, dennoch rosten Orlandos Tage. Und mögen die anderen sich auch ständig Zigaretten anstecken: Die Kippen würden ihm in seiner Depression bloß nach komprimiertem Novembernebel schmecken. Doch Rauchen ist eigentlich gar nicht erlaubt in Christian Schmidts Wohn-Drehbühne mit ihrem Plattenbau-Charme. «PROHIBIDO FUMAR»...
Das Buch ruft erst einmal Schrecken hervor, ausgelöst durch sein Gewicht (2,5 Kilogramm), den Preis (99 Euro) und die Flut hunderter (!) Fotografien von Christian Thielemann – Großaufnahmen unzählig variierter Aspekte des Dirigierens, von Brust, Kopf, Augen, Armen und Händen des Dirigenten, die den Taktstock virtuos tanzen lassen. Thielemanns Präsenz bei Proben...
Volker Hagedorn ist ein Musikkritiker, der ungemein plastisch erzählen kann. Und wenn er ein Buch schreibt, so wie jetzt über die französische Hauptstadt in den Jahren 1821 und 1867, dann ist ihm daran gelegen, die Unmittelbarkeit, die seine Zeitungsartikel ausstrahlen, auch auf die kulturwissenschaftliche Publikation zu übertragen. Und tatsächlich gelingt ihm das...
