Wer kann, der kann
Der junge Händel hat während seines Rom-Aufenthalts 1707/08 zwei Oratorien komponiert: «Il trionfo del tempo e del disinganno» («Der Triumph von Zeit und Enttäuschung») und «La resurrezione» («Die Auferstehung»). Bekanntlich waren im päpstlichen Rom zu dieser Zeit private wie öffentliche Theateraufführungen verboten. Also tarnte man die Opern als geistliche Singspiele. Wenn schon nicht mit den Augen hören, dann doch wenigstens durch die Ohren sehen, scheinen sich die Zeitgenossen gedacht zu haben.
Betörendere Musik als die zu einer Perlenkette gereihten Arien des «Trionfo» hat Händel auch später nicht geschrieben. Die Handlung ist zu einer lehrhaften Allegorie eingedampft: Die von Piacere (Vergnügen) verführte Bellezza (Schönheit) lässt sich am Ende von Tempo (Zeit) und Disinganno (Enttäuschung) reumütig bekehren.
Ein szenischer Mehrwert scheint aus dieser moralischen Bußpredigt nicht zu schlagen. Wer so denkt, hat die Rechnung allerdings ohne Calixto Bieito gemacht. Der katalanische Regieberserker entfesselt zu Händels sublimer musikalischer Allegorie über die Vergänglichkeit alles Irdischen – nach bewährter Manier, man erinnere sich an seine Berliner Inszenierung von Puccinis ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Einspruch, Seite 50
von Uwe Schweikert
Nicht nur Verdi und Wagner haben viel von ihm gelernt. Auch bei Gounod, Bizet und Mussorgsky ist vieles ohne Giacomo Meyerbeer undenkbar. In diesem Sinn sind «Les Huguenots» ein atemberaubendes Versuchslabor, in dem vieles angelegt ist, was den Weg der Oper im späteren 19. Jahrhundert prägt. La Monnaie in Brüssel hat dem aufwändigen Stück eine glanzvolle Premiere...
Opernfilme, Musikfilme überhaupt, gibt es, so lange es den Tonfilm gibt. Doch sie galten jahrzehntelang nur als eine Art Nebenprodukt des aktuellen Geschehens – ein Hilfsmittel zur Dokumentation von Aufführungsgeschichte für Fachleute, ein Objekt für Sammler und eine Spielwiese für Opernfreaks. Das veränderte sich mit dem Aufkommen des Bildtonträgers DVD vor rund...
Schon während der gemeinsamen Arbeit an «Elektra» war es für Richard Strauss klar, dass er die Partnerschaft mit dem Dichter Hugo von Hofmannsthal fortsetzen würde. Dieser war seinerseits von der Aussicht, ins Musiktheater hineinwirken zu können, sehr angetan. Allerdings hatte er die Vorstellung, wie im Fall «Elektra» die Stücke erst einmal für die Sprechbühne zu...
