Wenig Neues, kaum Extremes
Mit szenischen Glanzleistungen haben die Moskauer Opernhäuser ihr Publikum in der vergangenen Spielzeit zwar nicht verwöhnt – es gab wenig Neues und kaum Extremes zu sehen –, doch musikalisch lohnte mancher Abend den Gang ins Theater. Tugan Sokhiev etwa gab mit einer konzertanten Aufführung von Tschaikowskys «Jungfrau von Orléans» seinen Einstand als Musikchef des Bolschoi Theaters.
Er zog das Stück als monumentales Fresko auf, verlor sich nicht in Nebensträngen, legte den Fokus ganz auf die geistige Kraft der Titelfigur – Anna Smirnova gab als charismatische Johanna ihr Bolschoi-Debüt.
Robert Carsens Varieté-«Rigoletto» aus Aix-en-Provence (siehe OW 9-10/2013) sprach aufgeschlossene Gemüter an, während der konservative Teil des Publikums sich über zu viel nackte Haut empörte. Im Ansatz kühn auch Irina Lychaginas Idee, in Glucks «Orfeo ed Euridice» den Mythos mit der Lebensgeschichte Marie Antoinettes zu verknüpfen. Der szenischen Umsetzung fehlte leider der Biss – gefällige Posen dominierten.
An der Novaya Opera brachte Vasily Valitov, seit 2010 Dirigent am Haus, mit dem Nikolayev Youth Symphony Orchestra of Russia und dem hauseigenen Kammerchor «Iphigénie en Tauride» so ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Magazin, Seite 80
von Alexej Parin
November 1999. Ein großer Liedersänger erprobt sich in Zürich erstmals als Alban Bergs Wozzeck. Matthias Goerne legt die Partie ganz lyrisch an, nach innen gewendet, bisweilen wie abwesend und immer wieder auf den schieren Schöngesang zielend. Das haftet bis heute.
September 2015. Wieder erprobt sich ein großer Liedersänger, der größte vielleicht derzeit, am selben...
Nach einem Album mit romantischen Arien, darunter selten zu hörende Preziosen von Franz Schubert und Otto Nicolai, legt Christian Gerhaher nun ein weiteres vor, das ausschließlich Mozart gewidmet ist und Bassarien aus den drei Da-Ponte-Opern sowie aus der «Zauberflöte» enthält. Das erscheint auf den ersten Blick wenig spektakulär – und ist es in vielerlei Hinsicht...
Zum hypnotischen Ostinato von Henryk Góreckis «Sinfonie der Klagelieder» (Sopran: Debra Stanley) baut sich das erste Motiv auf. Am Boden krauchen Aussätzige. In der Mitte waltet Franz von Assisi – von ihm erzählt Jo Fabians sinfonisches Bildertheater «Francesco» am Staatstheater Cottbus –, oben zeigt sich Christus. Charaktere im altniederländischen Stil vor...
