Welche Wonne, welche Lust

Zürich | Mozart: Die Entführung aus dem Serail

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Seltsam, dass an einem Opernabend derjenige am meisten fesselt, der gar nicht singt – seltsam, in Zürich für die Sänger allerdings keineswegs ehrenrührig. Ein großer Schauspieler ist es, der in Adrian Marthalers Inszenierung der «Entführung aus dem Serail» so sehr fasziniert – gleichsam der Bassa aller Bassas. Michael Maertens ist ein Liebender zwischen Zorneswallung und zärtlicher Hingerissenheit – einer, bei dem man nicht begreift, dass Konstanze sich nicht zu ihm bekennt.

Wenn er am Ende die abreisebereiten Paare aus dem Hintergrund beobachtet und dabei scheinbar nichts «macht»: welche Präsenz in jeder kleinen Geste, in jedem Blick – im bloßen Da-Sein!

Dabei müssen sich die Sänger mitnichten verstecken. Eva Mei ist trotz manchem etwas spröden Ansatz eine Meisterin sinnreicher, brillanter Koloratur und Mozarts vielfältigem Ausdrucksanspruch mehr als nur gewachsen. Rebeca Olvera ist ein wunderleichtes Blondchen, Michael Laurenz ein quellfrischer Pedrillo-Tenor, Alfred Muff, als Osmin kein Pluder-Muselmane, sondern in seiner Voreingenommenheit, seinem Fremdenhass ein armer Teufel im schwarzen Kittel (Kostüme: Florence von Gerkan), ein kellertiefer Bass. An der Spitze wieder einmal ...

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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Heinz W. Koch

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