Weg mit den bunten Wundertüten
Ob «L’Enfant et les Sortilèges», Ravels «Fantaisie lyrique» eine Kinderoper ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Nicht zu Unrecht wird heute vermutet, dass Ravel und seine Textdichterin Colette mit ihrem singenden Hausrat und klagenden Getier um einen künstlerischen Ausdruck rangen, der das Grauen des Ersten Weltkriegs ästhetisch fassen konnte. In der Perspektive der kindlichen Titelfigur wachsen die Gestalten aus Wohnzimmer und Garten zu bedrohlicher Größe an, sind selbst für die Augen und Ohren von Erwachsenen manchmal schwer erträglich.
An der Komischen Oper werden keineswegs Kriegsassoziationen geweckt. Doch die Inszenierung dieses Stücks entsprang auch nicht dem Willen zu pseudokindlicher Harmlosigkeit und buntem Naturalismus. Die Regisseurin Jetske Mijnssen und ihre Ausstatterin Mirella Weingarten zeigen die Welt des Kindes karg, in kühlem Blau. Sie reduzieren das Wohnzimmer des ersten Bildes auf eine kreisrunde weiße Spielscheibe, die im folgenden Bild zum riesigen Mond in einem nächtlichen Garten wird.
Wohl nicht zuletzt die prekäre finanzielle Ausstattung des Hauses an der Berliner Behrenstraße erzwingt bescheidene Lösungen. Sie erfordern indes ...
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m Schluss der neunzigminütigen Aufführung stolperte Hans Neuenfels wie ein großes Kind auf die Bühne des Basler Theaters: als wollte und könnte er die Begeisterung des Publikums nicht recht begreifen. Das Ritual, das sonst allerorten die Premieren beherrscht – Beifall für die Solisten und den Dirigenten, Buhs für das Regieteam – war an diesem Abend außer Kraft...
Keine Spur von Realismus. St. Petersburg wird auf der Bühne nur symbolisch angedeutet. Und zwar in zweierlei Perspektive: grell und rau (mit schwarzen, röhrenartigen Säulen ohne Kapitelle) als vertikaler Dimension; dann durch Brücken, die über die ganze Bühne führen (über den grünen Boden, der sowohl die Neva als auch einen Spieltisch darstellt), als horizontaler...
Zur Ouvertüre färbt sich das Bühnenlicht ätherisch blau. Im leichten Dunst entschwebt eine Figur gen Himmel: Lucia. Dann die Überblendung: ein großer, kahler Raum, mit hohem Fenster, in Weiß-Grau gehalten, vor das sich immer wieder schwarze Wände schieben. In der Mitte ein riesiges Bett, in dem Lucia träumt. Von ihrer Kindheit und Jugend, als sie noch mit Puppen...
