Weder noch
Am Vorabend des Palmsonntags ging es am Staatstheater Kassel auf Ganze. Ein «Musiktheaterabend von den letzten Dingen» unter dem Titel «Weder noch» war angekündigt, für dessen Konzeption und Inszenierung Paul Esterhazy verantwortlich zeichnete. Es wurde ein vielschichtiger Abend, der allerdings mit einigen Buhs in einem insgesamt matten Schlussapplaus endete. Aus den Missfallensbekundungen sprach sicher eine gewisse Frustration über die intellektuell hoch gelegte Latte, die durch erläuternde Maßnahmen zu senken das Theater sich nicht bemüht hatte.
Halten wir uns an das Sicht- und Hörbare. Mit Verdis Requiem traf ein oratorisches Werk, das vor innerer Dramatik birst, auf Morton Feldmans «Neither», eine «Oper», die nichts Dramatisches hat und doch nach einer Bebilderung schreit. Das etwa einhundert Jahre jüngere Stück des Amerikaners auf ein hermetisches Gedicht Samuel Becketts ist als blockartiger Einschub in das alte integriert. Verdis Totenmesse wird zudem durch die von Esterhazy erfundenen «Vorgänge» eines Tages (Becketts Geburtstag am Karfreitag, 13. April 1906, zur Todesstunde Christi) aus dem Leben einer Dubliner Familie illustriert – oder illustriert das Requiem die Handlung? ...
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