Wagner: Das Rheingold
Es ist noch kein Menschenalter her, da hielt man es in Bayreuth hochnäsig für ein Wagnis, wenn das Städtebundtheater Hof eine Oper stemmte. Inzwischen sind die Hofer bei Richard Wagner angekommen – und zwar achtbar. Intendant Uwe Drechsel lässt das «Rheingold» mit zeitgemäß scheinenden Videosequenzen beginnen, doch inhaltlich lernt man bei Wassertropfen in Zeitlupe und sich öffnenden und wieder schließenden Blütenkelchen nichts dazu. Die Harmlosigkeit dieser Bilder setzt sich fort im bewegungsfeindlichen Bühnenbild von Rudolf Rischer.
Die Rheintöchter tänzeln so beziehungslos zwischen Gazevorhängen und ein paar angedeuteten zackigen Pappfelsen herum, dass niemand – auch nicht ein sängerdarstellerisch prägnanter Alberich wie Jürgen Schultz – deshalb elementar fluchen müsste.
Auch in der Folge bleibt vieles in arg konventionellen Bahnen, erst in der freien Gegend auf Bergeshöhen und in Nibelheim schafft es der Regisseur, mit seinen durchwegs spielfreudigen Solisten glaubhafte Figuren und Beziehungen herzustellen. Gastsänger Renatus Mészár ist ein kraftstrotzend-junger Wotan, der seine First Lady Fricka offenbar mit der eigenen Schwester betrügt und ohne Freias Äpfel auf Heroin ...
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Köln steht Kopf, und das bereits vor Ausbruch der Fünften Jahreszeit. Die «Öffentliche Meinung» ist in Aufruhr. Die Lokalpresse machte mobil, nachdem es in der Premiere durch Zuschauerrufe zum Eklat gekommen war. Dabei schien alles so herrlich unverdächtig. Bernd Weikl sollte Offenbachs «Orpheus in der Unterwelt» inszenieren, Kabarettist Konrad Beikircher neue...
Manchmal weiß man schon nach wenigen Sekunden, wie musikalisch ein Regisseur, eine Regisseurin ist. An diesem Abend in Magdeburg, der voller musikalischer Zweifel steckt, weil das von Alexander Steinitz geleitete Orchester einen rabenschwarzen Tag erwischt hat, genügt die Ouvertüre, um solches festzustellen. Vorne, vor dem noch geschlossenen Vorhang, sitzen...
So geht es also auch! Während anderswo Theater geschlossen oder kaputtgespart, Orchester aufgelöst werden, schaffen sich in einer westfälischen Kleinstadt (zirka achtzigtausend Einwohner), die zwar über ein schmuckes Stadttheater (Baujahr 1908), nicht aber über ein eigenes Ensemble verfügt, Bürger ihre Oper selbst: Ohne städtische Subventionen, mit geringfügiger...
