Vor Gericht
Die Szene ist Legende. Weil sie so mysteriös ist, buchstäblich von Schlummerwolken umkränzt. «Götterdämmerung», zweiter Aufzug, erste Szene. Ein Mann sitzt, schwer bewaffnet, am Flussufer vor der Gibichungenhalle und schläft. Aber er schläft mit offenen Augen. Träumt er, dämmert er vor sich hin? Oder macht er nur ein kleines Brecht’sches Nickerchen, in dessen Verlauf ihm ausgerechnet sein Vater, der Nachtalbe Alberich, begegnet? Die Frage ist ungeklärt, zumal wir den «Schläfer» nicht mehr fragen können.
Hagen, der böse Dämon, zählt zu den zehn Todesopfern in Richard Wagners «Ring des Nibelungen».
Um diese wie um mehr oder minder erfolgreiche Liebeskonstellationen kümmert sich nun explizit Peter Ernst Küfner in seinem Buch «Vier Ehedramen und zehn Todesfälle». Doch nicht als Dramaturg oder Musikwissenschaftler untersucht Küfner die Tetralogie: Ihn interessiert die Frage, wie die Vorgänge, Handlungen und Taten aus juristischer Perspektive zu bewerten sind. Der studierte Jurist und exquisite Wagner-Kenner kann dabei aus dem Vollen schöpfen: Während er das Buch schrieb, lagen mehrere Gesetzessammlungen auf seinem Schreibtisch, deren Sprache er aus dem Effeff beherrscht, will sagen: ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Jürgen Otten
Er sei kein Komponist, der tagespolitische Musik erfinde. Das sagte Georg Katzer des Öfteren und ergänzte, dass ihm direkte politische Wirkungen eher fern lägen. Gleichwohl kündet aus dem Gros der weit über 100 Werke des 1935 in Schlesien Geborenen eine klare Botschaft: Wach sein, ästhetisch wie politisch. Allerdings müssen die Werke auch wirklich gehört, mithin...
Eine bunte, mondäne Badegesellschaft bespaßt sich an einem Swimmingpool, während etwas abseits mit zerquältem Gesichtsausdruck eine Männergestalt herumstapft, die in ihrem braunen Cordsamtanzug nicht im Geringsten zu dem kapriziösen Freibadambiente passen will, offensichtlich aber gern bei der Party dabei wäre. In tosender Verzweiflung glaubt sich dieser...
Gelegentlich öffnet sich der Himmel des Liedgesangs. Für den Schreiber dieser Zeilen war’s etwa im Frühjahr 1964, als er in Graz Fritz Wunderlich mit Schumanns «Dichterliebe» live hörte. Die Einspielung dieses Zyklus durch den Tenor und Hubert Giesen darf als Referenz gelten; freilich folgt sie der auch heute noch weithin benutzten, 16 Lieder umfassenden...
