Von A nach B gehen reicht nicht

Ob als Brittens Owen Wingrave oder als Marcello in «La Bohème», ob als Albert im «Werther» oder als Jeletzki in «Pique Dame» – während seiner fünf Jahre im Ensemble der Oper Frankfurt hat Michael Nagy ein breites Repertoire gesungen und sich dabei als einer der markantesten Solisten des Hauses profiliert. Ein intensiver Sängerdarsteller, der selbst in einer Figur wie Dr. Falke überraschende Facetten und Tiefe entdeckt. Mit diesem Sommer wird er sein Glück freiberuflich suchen. Bei den 100. Bayreuther Festspielen singt er den Wolfram von Eschenbach in einer Neuproduktion des «Tannhäuser».

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Herr Nagy, Ihr Lebenslauf fordert eine Bemerkung einfach heraus: Vor etwas mehr als 24 Jahren sangen Sie als Knabensopran den Hirten im «Tannhäuser», jetzt steht Ihr Bayreuth-Debüt an. Bald können wir Sie zum Silbernen Wagner-Jubiläum beglückwünschen…
Stimmt, so habe ich das noch gar nicht gesehen. Und das mit nur zwei Wagner-Partien! Ich komme ja aus der Knabenchortradition – nach dem Hirten hatte ich erst einmal viele Jahre kaum Kontakt zur Oper. Witzigerweise habe ich als Wolfram tatsächlich einige Kollegen aus dem «Tannhäuser» vor bald 25 Jahren wieder getroffen.



Sie singen Partien des lyrischen Baritonfachs. Immer wird auf die Reserven Ihrer Stimme, Ihr Volumen, den komfortablen Umfang in Höhe und Tiefe hingewiesen. Bekommen Sie auch Angebote jenseits des lyrischen Kanons?
Der Fachbegriff ist ja dehnbar – man sollte sich ihm nicht ausschließlich unterwerfen, sondern schauen, was neben dem Kernrepertoire möglich ist. Im Konzertbereich, etwa bei Bach, singe ich mit großer Begeisterung die «Bass»-Partien. Andererseits vertraue ich auf das Siegel «lyrischer Bariton». Ich würde nichts machen, was mich stimmlich auf Abwege geraten ließe. Tatsächlich ist mir in einem halbseriösen ...

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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Interview, Seite 36
von Claus Ambrosius

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