Viel Hetze, wenig Zeit
Briefe sind nicht Jedermanns Sache», entschuldigt sich Gustav Mahler 1892 bei der Mezzosopranistin Laura Hilgermann, «– meine schon gar nicht! Lieber schreibe ich 10 Lieder als einen Brief.» Dennoch ist es dem unermüdlichen Mahler-Herausgeber Franz Willnauer ein weiteres Mal gelungen, bisher ungedruckte Briefe des Komponisten, Dirigenten und Operndirektors an Freunde, Mitarbeiter und Kollegen ausfindig zu machen und, durch ausführliche biografische Zwischentexte verbunden, zu einem lesenswerten Band zusammenzustellen.
Zu den auffälligsten Dokumenten gehören der exaltierte Liebesbrief des Zwanzigjährigen an Josephine Poisl, als deren Vater ihm das Haus verbietet; sein erster Brief an Gerhart Hauptmann, um dessen Freundschaft er 1904 erfolgreich wirbt; oder 1895 das geradezu vernichtende Urteil über Jules Massenets «Werther»: «entschieden das widerwärtigste Machwerk, das mir bis jetzt vorgekommen ist». Gewiss befindet sich unter den rund 250 Stücken viel Spreu – der «Hetze» des Alltags abgerungene berufliche Korrespondenz über Engagements, Proben und Aufführungen. Aber selbst die ihm Nahestehenden hält Mahler auf möglichst sachliche Distanz. Der Sängerin Selma Kurz, mit der er eine ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 34
von Uwe Schweikert
Die Avantgarde bröckelt manchmal schneller, als man gucken kann. Valencias Opernhaus, dem Palau de les Arts Reina Sofía, musste keine zehn Jahre nach der Eröffnung 2005 eine neue Keramikhaut übergezogen werden – ob der Werkstoff dieses in Beton gegossenen architektonischen Hüftschwungs des Baumeisters Santiago Calatrava sich überhaupt eignet, wo Wind und...
Als ob es eine tief strömende, die Richtung ändernde Bewegung gäbe, vertrauen Komponisten wie Michael Wertmüller, Toshio Hosokawa, Miroslav Srnka, Johannes Kalitzke in jüngster Zeit wieder der Narration in ihrem Musiktheater, nennen es gattungsgerecht Oper. Auch Hans Thomallas neues Werk «Kaspar Hauser», eine «Oper in drei Akten», schreibt und schreitet einen Weg...
War im 19. Jahrhundert das Kunstlied noch eine jener musikalischen Gattungen, der sich nahezu alle Komponisten mit stetem Eifer und großer Resonanz widmeten, kam es in den 1920er-Jahren zusehends aus der Mode. Der radikale gesellschaftliche Wandel, das Verschwinden des bürgerlichen Salons wie auch der Aufbruch in neue stilistische Sphären jenseits der Romantik...
