Verrückte Geschichten

Bad Wildbad, Rossini: La scala di seta, Rossini: La gazzetta, Balducci: Boabdil – König von Granada

Opernwelt - Logo

Ein seelenwarmer Diener, der zumal bei steigendem Alkoholpegel alles in den falschen Hals bekommt – schon gar, wenn der Gatte der jungen Dame des Hauses per Leiter im Kleiderschrank seiner heimlich Angetrauten erscheint und den von ihrem Vormund favorisierten Möchtegern-Casanova auf Platz zwei verdrängt: «La scala di seta» (Die seidene Leiter) gehört zu den fünf kürzeren Farcen, die der eben zwanzigjährige Gioacchino Rossini 1812 für Venedig aufs Papier warf.
Ein Vater gibt eine Anzeige auf, in der er seine Tochter anpreist. Daraus folgt Verwechslung hoch zwei.

Kein Stein bleibt auf dem anderen. Toller als in «La gazzetta» (Die Tageszeitung) hat’s Rossini nirgendwo getrieben. Das «dramma giocoso» entstand 1816 zwischen dem «Barbier» und «La Cenerentola». Deren Ouvertüre sah Rossini hier denn auch vor – oder umgekehrt. Aus beiden Werken hat sich überhaupt Diverses eingeschmuggelt, bis hin zu einem rekonstruierten Quintett, das bei «Rossini in Wildbad» erstmals zu hören war. Die musikalische Typenvielfalt ist merklich größer als im früheren Stück.
Wenn Rossini am Werk ist, bekommt das auch dem bescheidensten Inhalt: «La scala di seta» lässt vieles von dem aufblitzen, was spätere ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2007
Rubrik: Festspiele II, Seite 73
von Heinz W. Koch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mit dem Genius Loci auf Du

In der Spätzeit der DDR lag Stralsund am Boden. Noch zu Beginn der neunziger Jahre, kurz nach der Wende, bot sich dem Besucher, der durch die Gassen der einstmals florierenden Hansestadt flanierte, ein Bild der Verheerung: blinde Fenster, bröckelnder Putz, löchrige Dächer, schimmelndes Holz – wüstes Terrain, wohin das Auge blickte. Und das mitten in jenem von der...

La Malibran rediviva?

Die Idee, das Repertoire eines his­torischen Sängers zum Ausgangspunkt eines Arienalbums zu machen, ist nicht neu. Vivica Genaux hat vor einigen Jahren mit großem Erfolg eine Sammlung von Arien Farinellis vorgelegt. Gleich mehrere Sänger (Drew Minter, Andreas Scholl und jüngst Marijana Mijanovic) – haben sich Programme aus Favoritstücken von Farinellis Konkurrenten...

Der Hans Gabor Belvedere Gesangswettbewerb 2007 in Wien

Gesangswettbewerbe schmücken sich gern damit, Ausgangspunkt großer Karrieren zu sein; kein Zufall also, dass sie auch nach den Erfordernissen des Markts schielen. Daher scheinen sie derzeit angesichts eines Über­angebots an lyrischen Stimmen und eines Mangels an «großen», dramatischen eher die Letzteren zu bevorzugen – oder jene, die so tun, als wären sie...