Verkanntes Meisterwerk
Boitos «Mefistofele» hat in der Geschichte der Schallplatte eine Rolle gespielt, die in keinem Verhältnis steht zu der vergleichsweise bescheidenen Verbreitung des Werkes auf der Bühne. Kaum ein Tenor des italienischen Fachs hat es in den letzten hundert Jahren versäumt, sich mit den beiden Arien des Faust zu verewigen, kein lirico-spinto-Sopran hat Margheritas Kerkerarie «L'altra notte in fondo al mare» ausgelassen. Für Enrico Caruso und Beniamino Gigli war «Dai Campi, dai prati» sogar der Einstieg in die Schallplatten-Karriere.
Etwa ein Dutzend Aufnahmen der Oper, die bei der Uraufführung an der Mailänder Scala 1868 ausgepfiffen wurde, sieben Jahre später in gekürzter Form in Bologna aber einen Triumph erlebte, sind bereits auf CD veröffentlicht worden. Dabei sind einige Piraten-Mitschnitte noch gar nicht mitgerechnet. Doch eine in jeder Hinsicht befriedigende Interpretation ist nicht darunter. Das liegt vor allem an der Komplexität des Werkes: Traditionelle italienische Kantilene verbindet sich mit einer Orchesterbehandlung à la Berlioz und einem hochkarätigen Text, der dem Original Goethes so nahe wie nur irgend möglich kommt. Dirigentische Routine genügt da ebenso wenig wie ...
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Klassische Musik kann für Kinder sehr attraktiv sein», meinte kürzlich Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrats, «wenn man sie ihnen richtig vermittelt». Doch was heißt es, die Kleinen «richtig» an die Großen der klassischen Musikkultur heranzuführen?
Im letzten Heft haben wir am Beispiel ausgewählter Opernhäuser und Jugendmusiktheater...
Nun, da die Welt vermessen ist – und sei es nur durch die Literatur in Gestalt von Daniel Kehlmanns virtuosem Roman über Gauß und Humboldt – nun kann man daran gehen, das Unendliche zu vermessen. So jedenfalls muss das der Komponist Ingomar Grünauer im Sinn gehabt haben, als er anhub, eine Oper über den Mathematiker Georg Cantor zu verfassen. Wer, bitte schön,...
Am Ende wird die Ehre der zu Unrecht des Ehebruchs beschuldigten Genoveva wiederhergestellt. Das Ehepaar umarmt sich, man denkt an den Schlusschor in «Fidelio»: «Wer ein solches Weib errungen...» Doch hier ist der Jubel nur verhalten, innig, tief, nicht überschwänglich. Genau da liegt das Problem. In Schumanns einzigem vollendeten Bühnenwerk fehlt meist, was Oper...
