Vergiftet

Krzysztof Warlikowski seziert in Madrid Glucks «Alceste»

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Toxisch. Das trifft es. Die Ehe der jungen Royals ist kaputt. Nicht mal die von der schwarzen Gouvernante beaufsichtigten Kinder können Lady Alcestes Depressionen zerstreuen. Und die eigennützigen Liebesschwüre des fatal erkrankten Gatten Admète erst recht nicht. Die destruktive Logik einer durch Macht und höfische Etikette entfremdeten Beziehung unter ständiger (medialer) Beobachtung bildet das Zentrum von Krzysztof Warlikowskis kalt sezierender Gluck-Lektüre (siehe OW 4/2014).

Die Bildregie Stéphane Metges «übersetzt» das moderne Drama mit Zooms, Panoramen, Gegenschnitten so musikalisch, so virtuos in die Sprache des Kinos, dass die Eiseskälte, die Verzweiflung, der lächelnde Zynismus in Gesten und Gesichtern manchmal kaum auszuhalten sind. Angela Denoke, eine vokal herbe Alceste, spielt die innere Zerstörung der Titelfigur in allen Facetten aus – seelenwund, stolz, mit stechender Intensität. Nicht minder präsent: Paul Groves als ein unter der Knute des (noch) regierenden Vaters taumelnder Admète und Willard White als klinisch kühler Todespriester. Ivor Bolton realisiert die wechselblütige Partitur mit unsteter Fortune.  

Gluck: Alceste
Angela Denoke (Alceste), Paul Groves ...

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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 19
von Albrecht Thiemann

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