Verführer in der Konzernzentrale
An einer streng traditionellen «Don Giovanni»-Inszenierung, die allerdings mit höchster Präzision und psychologischer Durchdringung erarbeitet werden muss, könnte man erkennen, wie eine scheinbar fest geordnete Gesellschaft durch Außerkraftsetzen von Ordnung und Moral zerstört wird. Das Ancien Régime war so eine Sozietät, die Mozart im Blick hatte, als er seinen «Wüstling» auf die Gesellschaft losließ. Don Giovanni benötigte keinen Sprengstoff am Körper, um seine Welt in die Luft zu jagen.
Er selbst war der Sprengstoff, der mit seiner immoralischen Verhaltensweise die psychischen und sozialen Strukturen einer Gesellschaft zersetzt, der er selbst angehört.
Das ist natürlich kein Sex-Drama, als das die Oper gern ausgegeben wird, speziell in unseren sexistischen Zeiten, weshalb die meisten «Don Giovanni»-Darstellungen vorwiegend flachköpfig wirken. Der Eros ist nur ein Kampfmittel, mit dem Don Giovanni sein Zerstörungswerk in Gang setzt, allerdings sein wichtigstes. Wobei zu bedenken ist, dass er ja nicht wie ein simpler Verbrecher diese Zerstörung will: Er wählt halbbewusst den Umweg über die hemmungslose Durchsetzung eines individuellen Freiheitswillens. Die Folgen sind ihm, ob ...
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Thornton Wilder veröffentlichte 1931 seinen Einakter zum Fest: «The Long Christmas Dinner». Darin bringt er ein Weihnachtsmenü auf den Tisch, das, streng genommen, neunzig Jahre dauert. Hier werden Handlungen, Ereignisse, Stimmungen eines knappen Jahrhunderts mosaikartig zusammengetragen; während die Ahnen auf der einen Seite die Bühne verlassen, kommen ihre...
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