Verdi: Otello

Münster

Opernwelt - Logo

Musikalisch würde Münsters neuer «Otello» jedem größeren Theater zur Ehre gereichen. Lance Ryan überzeugte bei seinem Deutschland-Debüt mit schlanker, hell timbrierter Stimme, die auch in den gefürchteten exponierten Höhen der Titelpartie über die nötige heldische Durchschlagskraft verfügt. Nur die Deklamatopassagen – etwa beim physischen Zusammenbruch Otellos im dritten Akt, in dem Ryan sich in aufgesetzte Schluchzer rettete – besitzen noch nicht genügend dramatische Substanz.

Jaco Venter war ein stimmlich ungemein sicherer, allerdings in der Artikulation des Textes oft etwas farbloser Jago. Rund­um überzeugend Sabine Ritterbuschs Desdemona, die dem Gesang des schuldlosen Opfers – wie von Verdi gewünscht – tonschön und mit makelloser Phrasierung die nötige Empfindungs­tiefe gab. Am Pult sorgte Münsters GMD Rainer Mühlbach, trotz eines rabenschwarzen Abends der Streicher, für großbögigen Zusammenhalt und Spannung, wenn auch der letzte Biss fehlte. Szenisch war längst nicht alles so im Lot. Peter Beat Wyrsch fokussiert die Geschichte von der (Selbst)-Demontage des Helden als Kammerspiel. Dass dies nicht aufgeht, liegt nicht zuletzt an Boito und Verdi, bei denen sich das Drama eben ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 54
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Farbige Klangrede

«Leicht will ich’s machen dir und mir», singt die Marschallin im «Rosenkavalier». An Opernaufführungen im Festsaal von Schloss Esterházy hat sie dabei freilich nicht gedacht. Denn den in sich geschlossenen barocken Raum für Bühnenaufführungen zu nutzen, den wunderbaren Fresken und Deckengemälden Carpoforo Tencallas theatralische Bilder entgegenzusetzen, ist eine...

Einsamer, verwirrter Ritter

Am Ende hat er alles verloren, der Ritter von der traurigen Gestalt: seine Bücher, die einen Abend lang die Bühne des Innsbrucker Landestheaters füllten, jetzt aber gen Himmel verschwinden; alle Menschen seines Lebens und damit die erträumten Figuren seiner Lektüre; schießlich sogar die Ärzte und Schwestern der psychiatrischen Klinik, als die sich seine...

Heiter bis sonnig

Tokio, Ende September. In den Katakomben der Kongress- und Konzerthalle Bunka Kaikan. «Tannhäuser», erster Aufzug. Auf der Bühne schmettert Venus (alias Waltraud Meier) gerade dem zur Abreise entschlossenen Titelhelden (alias Robert Gambill) die Wut der düpierten Liebhaberin ins Gesicht: «Nie wird Vergebung dir zuteil.» Hinter den Kulissen schleicht bereits Matti...