Valse triste
Es las sich wie eine Verheißung: «Lucia di Lammermoor» ungekürzt, mit neu durchdachten Verzierungen; die Wahnsinnsszene nicht wie üblich als Duett zwischen Flöte und Sopran, sondern mit Glasharmonika (wie von Donizetti vorgesehen). Dazu eine Begegnung der überfälligen Art: Belcanto meets Regie. Und Ensemblegeist. Kein Bahnhof herumreisender Kehlkopfakrobaten, keine pseudo-schottisch auskostümierten Auf- und Abtritte, sondern ein Sich-Verhalten zu einer Musik, die uns – allen Ohrwurmqualitäten, allem Callas-Mythos und Gruberova-Kult zum Trotz – doch sehr fern ist.
Dass die so viel versprechende Hamburger «Lucia»-Premiere enttäuschte, lag an mehreren Faktoren, die – je länger der Abend, desto mehr – ineinander griffen. Simone Young wedelte zwar viel (mal grazil, mal feldherrenhaft) mit Oberarmen und Händen, aber sie konnte doch kaum vermitteln, was diese Musik mehr als alles andere braucht: eine geerdete rhythmische Souveränität, die erst die Basis für melodische Entfaltung und Freiheit schafft. Hamburgs Staatsopernchefin war pausenlos um Kontrolle bemüht, genauer: um schlichte, musikalische Kongruenz zwischen Orchester und Bühne, und sie musste das sein, weil sich kaum ein Tempo und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mit seiner achten Oper «Alzira» hatte Verdi kein Glück. Die Uraufführung am 12. August 1845 im Teatro San Carlo in Neapel war ein Achtungserfolg, die Premiere an der Mailänder Scala im Januar 1847 fiel durch, nach wenigen Jahren verschwand das Stück ganz von den Spielplänen. Selbst der Komponist soll sich später von seinem Werk distanziert und es einer Bekannten...
Der Applaus zu Beginn ist so intensiv, dass sofort spürbar wird: Hier kehrt einer zurück, der in bester Erinnerung ist. Kein Wunder: Während seiner Zeit als Chefdirigent der Amsterdamer Oper und des Nederlands Philharmonisch Orkest hatte Hartmut Haenchen den ersten szenischen «Ring des Nibelungen» in den Niederlanden aufgeführt – und zwar «authentisch», das heißt,...
Zu DDR-Zeiten war die Sächsische Staatskapelle geradezu ein Mythos. Karajan kam, Kleiber kam. VEB Deutsche Schallplatten und EMI produzierten billig, aber hochwertig an der Elbe. Der dunkle, deutsche Klang; die von Wagner sogenannte «Zauberharfe»; die 450 Jahre umspannende Tradition usw. usw. Nach der Wende hat das Orchester sein Niveau gehalten, was vor allem dann...
