Uraufführung des Jahres
Schon die Gattungsbezeichnung überraschte: Eine «Konzertoper» nannte Hans Werner Henze sein (vielleicht?) finales Musiktheaterwerk, das er komponierte, obwohl er zuvor glaubhaft versichert hatte, «L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe», 2003 in Salzburg uraufgeführt, sei seine letzte Oper. Dass dieser «Wortbruch» sich als glückliche Fügung erwies, wurde spätestens bei der Uraufführung der «Phaedra» an der Berliner Lindenoper deutlich. Gegen die angestrengt originelle Inszenierung von Peter Mussbach setzte sich Henzes leuchtende Klangsprache mühelos durch.
Noch einmal zeigte sich, über welch narrative Energien
Henzes Musiktheater gebietet und mit welch jugendlicher Verve sich der jetzt 82-Jährige dem Verdacht entzog, ein routiniertes Alterswerk als klingendes Vermächtnis vorzulegen. Henzes «Phaedra» wirkt luftig, progressiv, die Oper atmet – nicht zuletzt wegen des gemäßigt modernen, den Mythos nicht beschädigenden Librettos des Lyrikers Christian Lehnert – die Lust am Dialogischen, an der allumfassenden Welt- und Menschen- und Götterbeschreibung. Ausgehend von der Liebesverweigerung Hippolyts entwickelten Henze und Lehnert, virtuos im Umgang mit dem klanglichen wie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Fünfzig Makel in neununddreißig Minuten. Risse, Schmutz, Wasserflecken, Drop-Outs, Tonschwankungen, verblasste Farben, Unschärfen. Eine kapitale Mängelliste. Dabei war der 1969 belichtete «Othello»-Streifen nicht einmal der gravierendste Problemfall, den die Spezialisten der Hallenser Firma Digital Images während der Instandsetzungsarbeiten für jene DVD-Edition zu...
Der Dichter spricht. Und preist das Weib. Doch nicht irgendeines ist hier gemeint, sondern keine Geringere als die herzenswilde Königin der Amazonen: Penthesilea. «Zärtlichen Herzens gefühlvoll geweiht / Mit Hunden zerreißt sie, welchen sie liebt, und isst dann, Haut und Haare, ihn auf.» So beschreibt Heinrich von Kleist eine der schillerndsten Frauenfiguren der...
Die Oper hat ihn ein Leben lang beschäftigt. Doch sein klangliches Credo wurde weniger von Großformaten als durch jene Erfahrungen mit Kammermusik geformt, die ihn als junger Mann in Mailand prägten. Das Gespür fürs Filigrane, für feinste Nuancen, Schattierungen und Spannungen hat sich Claudio Abbado stets bewahrt. Das gilt für die Zeit als Musikchef der Mailänder...
