Unterm Kranzhorn, aufgekratzt
Auf das 24-Stunden-Spektakel hat er inzwischen keine Lust mehr. Alle vier «Ring»-Teile am Stück, zuletzt beim erfolgreichen China-Gastspiel im Herbst riskiert, das zehrt. Und trotzdem: Wagners Tetralogie, mit der einst alles begann im Dorf unterm Kranzhorn, bleibt das Rückgrat der Tiroler Festspiele. «Ich wäre doch ein idiotischer Intendant, wenn ich nicht darauf bauen würde», sagt Gustav Kuhn. «Außerdem sind wir jetzt schon ausverkauft.» Gemeint ist der Durchgang im Sommer 2016, auch 2017 und 2018 soll das Weltendrama nach Erl locken.
Danach ist im Inntal Passionsspieljahr, das Leiden Jesu wird also das Leiden Wotans aus dem Passionsspielhaus mit seiner grandiosen Akustik verdrängen.
Um die Italianità dreht sich traditionell die Wintersaison des Festivals. Bei der aktuellen wurde «Nabucco» im futuristischen, vier Jahre alten Neubau wiederaufgenommen, inszeniert und dirigiert von Kuhn. Bei der einzigen Premiere, Rossinis «Barbier von Sevilla», überließ der Prinzipal den Taktstock seinem Kronprinzen. Andreas Leisner, nicht nur in Erl schon am Regiepult aktiv und zwischen 2003 bis 2005 Spielleiter an der Berliner Staatsoper, legt dabei mehr als eine Gesellenprüfung ab. Ganz im Sinne ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Markus Thiel
Sie ist die vergnügungssüchtige Schwester der Grand Opéra: die féerie. Um 1810 kamen die pompösen Märchenspektakel in Mode, eine letzte Blüte erlebte das Genre zu Beginn der politisch bewegten 1870er-Jahre, als sich das französische Publikum nur zu gern in bunte Traumwelten flüchtete. Die féerie setzt vor allem auf optische Reize und die Tricks der...
Die Verklärung der Heiligen hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Als Ikone der Nation wurde sie in Frankreich nicht nur von Katholiken und Monarchisten, sondern auch von Republikanern und Sozialisten verehrt. Jeder pickte sich heraus, was zur eigenen politischen Agenda passte: Gottesfurcht, Frömmigkeit, Königstreue, Kampfesmut, Volksnähe – an den Mythos der...
Eine Kunstdebatte tobt in Hannover – die «Freischütz»-Inszenierung des Dortmunder Schauspielchefs Kay Voges hat sie ausgelöst. Nach dem Buh- und Bravo-Orkan der Premiere ging es erst richtig los. Der kulturpolitische Sprecher der CDU-Ratsfraktion, Oliver Kiaman, rief den Kulturdezernenten zum Durchgreifen auf: Er solle «bei aller Freiheit der Kunst dafür Sorge...
