Unstillbares Begehren

Rossini: Le comte Ory
Liège | Opéra

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Dass Rossinis später «Comte Ory» mehr ist als eine Zweitverwertung der Noten für «Il viaggio a Reims», nämlich eine ingeniös eigenständige, sehr speziell französisch-italienische opéra-comique, hat sich herumgesprochen. Und dass es hier inhaltlich mehr zu erzählen gibt als eine Fraueneroberungsklamotte aus der Kreuzzugszeit, verspricht Denis Podalydès’ zuerst in Paris und Versailles gezeigte Inszenierung jetzt auch an der Opéra Royal de Wallonie.

Freilich ist der schlimme Graf kein Don Giovanni; seine Verkleidungslisten – erst als frommer Eremit, dann frivolerweise im Nonnenhabit – gehen schief, nicht nur weil ihm im eigenen Pagen ein Rivale und Gegenintrigant um die Gunst der schönen Comtesse Adèle gegenübersteht.

Die Menschen glauben gern, was sie am liebsten glauben möchten, und lassen sich umstandslos betrügen, am Ende aber ist der Betrüger der Betrogene und Blamierte. Doch auf derlei Spaßmechanik als Vehikel für einen tenore di grazia und hohe C’s wollte sich der als Sociétaire de la Comédie-Française geehrte Podalydès nicht verlassen. Er verlegt das Geschehen in die Entstehungszeit des Stücks – die kriegführenderweise abwesenden Männer sind mit der Eroberung Nordafrikas ...

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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Holger Noltze

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