Unerlöst und doch frei
Nein, diese Senta träumt nicht. Diese Senta ist ein Trotzkopf, stets im Hier und Jetzt. Ein Wimmelkind, das sich nicht bändigen lässt, weil es seinen eigenen Willen hat und den, zur Not wider jede Vernunft, durchsetzt. Schon als kleines Mädchen.
Kaum ist der erste Sturm durch die Ouvertüre gebraust, kaum strömt das tannhäuserhafte F-Dur-Andante mit dem schwerelosen Englischhorn-Solo durch den Saal, öffnet sich das schwarze Sesam-Ungetüm, das Christof Hetzer auf die Bühne der Oper Malmö gewuchtet hat, und gibt den Blick frei auf ein hübsches, aber nicht eben inspiriert eingerichtetes Kinderzimmer. Klein-Senta im weißen Engelskleid, es wird noch wichtig werden an diesem Abend. Sie spielt. Als sie Stimmen hört (aus dem Orchester), eilt sie zum Fenster und schaut hinaus in die schwarze Nacht. Da draußen, da ist etwas, das sie sucht. Sie weiß nur noch nicht, was es ist. Aber sie ahnt es.
Wenige Minuten später ein ähnliches Bild, noch immer befinden wir uns in der Ouvertüre. Jetzt sind es Klarinette und Fagott, die, piano espressivo, Sentas Sehnsucht beschreiben, die zugleich die Sehnsucht des Fliegenden Holländers ist, ohne festen (harmonischen) Boden, zusammengesetzt aus lauter ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Jürgen Otten
Gletscher? War da mal was? Richtig, das waren diese majestätischen Eisgebilde, die Berglandschaften spektakulären Glanz verliehen, bevor die Menschheit begann, immer mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre zu feuern. In den 1920er-Jahren waren sie noch weitgehend intakt, ein vertrauter Anblick, so dass Ernst Křenek für seine Oper «Jonny spielt auf» einen Gletscher als...
60. Jahrgang, Nr 3
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752320
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de
Redaktion
Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)
Redaktionsbüro
Andrea Kaiser | redaktion@opernw...
Wenn eine große Liebe zu Ende geht, ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Als Michele Mariotti 2007 zum ersten Mal auf das Podium im Teatro Comunale zu Bologna kletterte, um eine Probe zu Rossinis «L’italiana in Algeri» zu leiten, habe er «nicht bei Null», sondern bei «zehn unter Null» angefangen, witzelt er im Rückblick. Trotz eines Diploms in Komposition und...
