Überwältigend
Kapitalismuskritik, Songstil der Roaring Twenties und ein Theaterskript zwischen Kabarett und Lehrstück wie «Die sieben Todsünden», der letzten gemeinsamen Arbeit des Erfolgsduos Brecht/Weill aus dem Jahr der faschistischen Machtübernahme 1933 – kann man damit heute noch Aufsehen erregen? Nein, sagt die Regisseurin Anna-Sophie Mahler, die das halbstündige Ballett mit Gesang jetzt in einer Koproduktion von Oper, Ballett und Schauspiel im Stuttgarter Schauspielhaus inszeniert hat.
Und bringt darum mit der kanadischen Electroclash-Sängerin Peaches eine queere Performerin auf die Bühne, die dem Abend eine ganz eigene radikalfeministische Note gibt und uns Brecht neu sehen, Weill neu hören lässt.
Brecht schickt seine Protagonistin Anna auf die Reise. Sie soll für ihre Familie anschaffen, damit diese sich ein Häuschen finanzieren kann. Bei Mahler wird Annas Lebensweg zum Kampf mit sich selbst – zum Boxkampf in einem die Szene beherrschenden Ring (der Box-Fan Brecht wäre begeistert gewesen), aufgeteilt auf zwei Personen, die Schauspielerin Josephine Köhler und den Tänzer Louis Stiens. Beide fighten, tanzen und singen in sieben grotesk komisch choreografierten Runden, die keinen Moment ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Uwe Schweikert
Solche Abende gibt es. Sie heben hoch an, schütten aus extremer (Fall-)Höhe eine Unmenge an Bildern, Assoziationen und Allusionen auf die Bühne herab, sind für sich genommen virtuos in ihrer Diskursvernarrtheit – aber das eigentliche Stück, seine Psychologie, mehr noch: die musikalische Semantik vergessen sie darüber fast vollständig. Ein solcher Abend ist die...
Herr Baumgarten, inszenieren Sie anders, seit Sie Professor sind?
Ja. Der intuitive Bereich, in dem man sich beim Inszenieren bewegt, wird einer rationalen Überprüfung unterzogen. Es ist so, als ob man über das Gehen noch mal nachdenkt. Dazu kommt, dass man durch die Studierenden permanent mit neuen Ideen, Texten und Konzepten konfrontiert wird, die in meiner...
Traumpaar
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Benjamin Lazar
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