Todesvogel wider Willen
Giovanni Simone Mayrs 1813 in Neapel uraufgeführte Opera seria «Medea in Corinto» zeigt nicht nur eine rächende Kindsmörderin, das Stück kehrt auch die zarten Seiten der Figur hervor. Regisseur David
Alden übersetzt in St. Gallen ihre reichen Facetten in starke Bilder. Im Finale des ersten Akts ist Medea als schwarzer Todesvogel verkleidet, setzt eine Krähe auf den Hochzeitsaltar von Giasone und Creusa und lässt unheimliche Vogelschatten durch den Raum flattern. Medea trägt Trauer. Eine verlassene Mutter.
Ihre beiden Kinder, die sie gemeinsam mit Giasone hat (gesungen vom hellen, etwas engen Tenor Mark Milhofer), werden immer wieder ins Bühnengeschehen eingebunden. Medea ist ganz liebende Mutter – und zeigt doch am Ende ihre blutigen Hände, die vom Mord künden. Zu Beginn fehlen Angela Fouts Sopran noch Farbnuancen. Ihr Vibrato ist eine Spur zu ausladend, die Koloraturen sind nicht ganz ausgeglichen. Aber die darstellerisch starke Amerikanerin steigert sich enorm und findet im zweiten Akt zu überaus eindringlichen Momenten.
Gespielt wird die neue Fassung der historisch-kritischen Werkausgabe von Ricordi, die unter anderem für die Titelpartie im ersten Akt eine zusätzliche, bei der ...
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