Tanz der Untoten
Als Parabel für moralische und psychische Verwahrlosung durch Machtgier ist «Macbeth» von zeitloser Aktualität. Angesichts der dramatischen Weltlage scheint Verdis Humanismus brisanter denn je. Allerdings gibt es in dieser Oper einige steinharte Regie-Nüsse zu knacken: Was macht man mit den Hexen und ihren chorischen Weissagungen? Wie bebildert man Macbeths Visionen plausibel, wie erklärt sich das schnelle Abdriften der Lady in den Wahnsinn?
Balázs Kovalik verlegt das Geschehen aus dem Mittelalter in eine nicht näher bestimmte Gegenwart.
Hermann Feuchter hat die Bühne durch eine Diagonale verengt, hinten ist unter Scheinwerfern die Brandmauer zu sehen. Die Diagonale ist aber nicht nur eine trist geriffelte schwarze Wand, sondern entpuppt sich rasch als raffinierte Konstruktion, vergleichbar mit dem Magazin einer gigantischen Bibliothek: Je nach Bedarf schieben sich einzelne Bühnenbild-Module heraus und verschwinden (fast) geräuschlos wieder. Zu Beginn, im Hexenbild, fährt eine Art Bordell mit Varieté-Angebot heraus, dann das sparsam möblierte Schlafzimmer des Mörderpaars mit Panzer auf dem Kamin und naiv gemalter Schottland-Idylle an der Wand. Zur Bankettszene werden gleich drei ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Regine Müller
Franz Schmidts oratorisches Hauptwerk, «Das Buch mit sieben Siegeln», hat seinem Namen oft alle Ehre gemacht. Lieblings- und Problemstück in einem, wurde es früher gern mit Mozart-Tenören besetzt, die dieser Johannes-Passion eine lyrische Fragilität und enorme Subtilität abgewannen. So in dem legendären Salzburger Live-Mitschnitt mit Anton Dermota (1959 unter...
Ich muss eine Rolle im Kopf und im Körper spüren, um mich reif dafür zu fühlen», äußerte Vesselina Kasarova einmal im Gespräch. Deswegen wollte sie nie von unten an der Decke des von ihr gewählten Faches kratzen, sondern souverän auf dessen Boden stehen. Lange hat sie sich daher auf das Belcanto-Repertoire konzentriert. Erst relativ spät kamen lyrische und...
Mut zu Raritäten, präsentiert in konservativer Ästhetik: So könnte man die Eckpfeiler des künstlerischen Konzepts von Intendant Stefano Mazzonis di Pralafera umreißen, der seit 2007 das Königliche Opernhaus in Lüttich leitet. Sein Spielplan bietet Renner wie «La traviata» und «Die Zauberflöte». Aber eben auch Seltenes aus der zweiten Reihe wie Verdis frühen...
