Tan Dun: Tea

Oldenburg

Opernwelt - Logo

Er weiß offenbar genau, mit welcher Marketing-Strategie man sich heutzutage gut verkauft: ein bisschen chinesische Tradition (aber eher in Form netter, leicht konsumierbarer Chinoiserien und Kantilenen voll von kitschnahem Wohllaut), dazu eine gute Prise avantgardistisch anmutender Geräusche, von plätscherndem Wasser über raschelnde Papierbahnen bis hin zu aneinander geschlagenen Steinen.

Der in Amerika lebende chinesisch-kosmopolitische Komponist Tan Dun (Jahrgang 1959) gibt mit seinem Musiktheaterwerk «Tea», das in Oldenburg seine deutsche Erstaufführung erlebte, ein Musterbeispiel dafür, wie man sich als so genannter «Moderner» gerieren kann, ohne irgendjemand weh zu tun. Nur: Das Ergebnis bleibt letztlich eine ins Kunstgewerbliche verflachte Exotik, musikalischer Nippes.
Das Libretto erzählt von der letal endenden Werbung eines jungen japanischen Prinzen um die Tochter des Kaisers von China, wobei ein philosophisches Buch vom Tee den tödlichen Streit des Bräutigams mit dem Bruder der Braut auslöst. Der Zuschauer darf in eingestreuten Sentenzen Banalitäten und hochgestapelten Pseudo-Tiefsinn zur Kenntnis nehmen, verpackt in oft musicalnahe melodische Linien, darf gefälligen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2005
Rubrik: kurz berichtet, Seite 50
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Seelenmalerei

Johann Sebastian Bach muss ein guter Vater gewesen sein. Obwohl er sich ­intensiv um die musikalische Bildung seiner Söhne kümmerte, scheint diese Früh­erziehung jedoch nie so weit gegangen zu sein, dass sie die individuelle Entwicklung seiner Sprösslinge gefährdet hätte: Während Carl Philipp Emanuel zur prägenden Figur des Sturm und Drang wurde, klingen die Werke...

Keine falschen Gefühle

Die wirkungsvollste und geschlossenste aller Verdi-­Ouvertüren, die zur «Macht des Schicksals», beginnt mit sechs leeren Oktaven. Sechsmal der Ton «e» in Fagott, Hörnern, Trompeten und Posaunen. Sechsmal mit Akzent. Wenn dieses «e» unentschieden, orientierungslos geblasen wird, quasi als Unterbrechungsversuch des Parkett-Gemurmels, dann wird schnell ein schlechtes...

Müller-Siemens: Die Menschen

Mit seinem Engagement für Zeitgenössisches stieß ­Aachens scheidender Intendant Paul Esterhazy auf unterschiedliche Reaktionen. Als Dramaturg begleitete er die Mannheimer Uraufführung von Detlev Müller-­Siemens’ «Menschen» und hat das Werk jetzt nach ­Aachen geholt. Ein «harter Brocken», nimmt das Werk doch radikal Abschied von Traditionen. Der Komponist spricht...