Sul fiato
In Strauss’ «Capriccio» 2016 am Theater an der Wien überzeugte uns Maria Bengtsson als Gräfin mit ihrem vorbildlich auf dem Atem phrasierten, nicht durch vermeintlich Strauss-typische, sentimentale Verschleifer entstellten Finale. Auch die Figur, die die Regie ihr abverlangte, war ungewöhnlich: mit ihren langen blonden Haaren schien sie weniger Aristokratin als undinenhaftes Naturwesen, keiner gesellschaftlichen Abmachung verpflichtet. Stimmlich war sie indes eher eine Schwester der Sophie.
Ein Eindruck, den man auch beim Anhören ihres neuen Strauss-Albums erhält.
Auch hier beginnt sie übrigens mit einem optimistischen Lobpreis der Natur: «Herr Lenz springt heute durch die Stadt in einer blauen Hose ...». Das hat Witz, fast kabarettistischen Touch. Doch die Dramaturgie dieses 23 Lieder umfassenden und manches Schmankerl bietenden Recitals nimmt sich des ganzen Lebens an, von der Wiege («Meinem Kinde») bis zur Bahre («Sie trugen ihn auf der Bahre bloss», «Ruhe meine Seele»).
Natürlich profitiert Bengtsson davon, dass Richard Strauss mit einer kapriziösen Sopranistin verheiratet war, die er auch im Liedbereich ins Zentrum theatralischer Aufmerksamkeit rücken wollte – und so zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Gerhard Persché
Herr Kaiser, 30 Jahre Freiburger Barockorchester: Das ist nicht zuletzt die Geschichte einer intensiven Beschäftigung mit dem Musiktheater. Auch in Zukunft?
Wir haben in all den Jahren gemerkt, wie wichtig der musikalische Part eines Orchesters in der Oper ist. Wir fühlen uns sehr wohl im Graben. Wir haben in den drei Jahren als Residenzorchester des Festivals in...
Schönes Foto. Es zeigt, schwarz-weiß in der einen, gelb durchstochen in der anderen Diagonale, die Büste eines Mädchens: etwa zwölf Jahre alt, Lockenkopf mit Seitenscheitel, Sommerkleid, ein hübsches Schleifchen im Haar, Blumen in der Hand, vorwiegend Rosen in verschiedenen Farben. Aber auch Lilien. Was noch stärker irritiert, ist der Blick des Mädchens. Er ist...
So schlecht ist dieses schräge Stück gar nicht, man muss es nur überzeugend auf die Bühne bringen: «Edgar», Puccinis zweite, selten gespielte Oper. Die Bühne, das ist hier der Klosterhof vor der mächtigen Fassade der Kathedrale St. Gallen. Mit dabei sind die Magie des Ortes, die Dämmerung sowie Schwalben, die sich um Vierteltöne zu hoch ins musikalische Geschehen...
