Suche nach dem roten Faden
Als Kassenfüller scheint sich das Stück nicht so recht zu eignen. In Saarbrücken verlieren sich 250 Besucher in der Donnerstagsvorstellung, tags drauf in Hannover ist der Saal bestenfalls halbvoll – trotz jeweils guter Besprechungen. Dass «Ariadne auf Naxos» bei Kritikern beliebter ist als beim Publikum, mag mit der Struktur der Oper zusammenhängen. Der Kunstsinn, der die beiden heterogenen Hälften verbindet, teilt sich keineswegs unmittelbar mit und muss für jede Aufführung neu erobert werden.
An der Saar setzt Regisseur Michael Talke auf psychologische Tiefenlotung, mit der Figur des Komponisten im Mittelpunkt. Ein Zweifler und Melancholiker, der Titelfigur seiner Oper nicht unähnlich, residiert er in einem tristen Hotelzimmer. Der Haushofmeister, der die jeweils neuesten Befehle des Mäzens bringt, ist hier eine düstere Stimme vom Band, präsent nur als vampirartiger Schatten. Wo die heitere Muse der Komödiantin Zerbinetta samt ihrer Buffo-Truppe auf den depressiven Künstler trifft, tut sie es oft in Totenkopf-Masken – so als würde ihre Leichtigkeit die «heilige Kunst» Musik entweihen. Talke lässt die komischen Momente zwar nicht aus – wenn etwa die Komödianten-Truppe im Stil der ...
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Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Dieter Lintz
Es gibt Stücke, die gibt’s nicht wirklich auf den Spielplänen. Sie tauchen nur ab und zu dort auf, werden bestaunt, bewundert, befragt, befeuert und bisweilen auch belächelt. Dann verschwinden sie wieder – um später wieder aufzutauchen und bewundert und belächelt zu werden und wieder zu verschwinden. Man könnte sie Einzelgänger nennen, ohne dass sie deshalb gleich...
Im Mai 2010 wurde sie wie ein Staatsakt gefeiert – die Wiedereröffnung des Teatro Colón in Buenos Aires. Doch schon kurz nach dem weltweit beachteten Paukenschlag breitete sich am größten und bekanntesten Opernhaus Südamerikas wieder jener lähmende Krämergeist aus, der einen nachhaltigen künstlerischen Aufschwung blockiert. Schon Ende 2010 warfen Streiks alle Pläne...
Einen Moment lang, als das überschaubare Publikum die Treppe zum Dachgeschoss des Historischen Zentrums in Wuppertal-Barmen mit dem Familienhaus von Friedrich Engels hinaufklettert –, einen Moment lang scheint dieser Ort der ideale Platz, um wie weiland der junge Engels in seinen «Briefen aus dem Wuppertal» gegen die Folgen der Industrialisierung zu wettern....
