Strauss: Der Rosenkavalier
Zwei Marschallinen, eine (Elisabeth Whitehouse) an der Rampe singend, die andere (Christiane Libor) lippensynchron in Kostüm und Maske spielend: Solche Doppelungen aus Krankheitsgründen sind nicht mehr ungewöhnlich und doch immer wieder eine Nervenprobe für alle Beteiligten.
Wie anders wäre es zu erklären, dass die später theatralisch und musikalisch ausdifferenzierte Aufführung den ganzen ersten Akt lang Unruhe, Anspannung und Nervosität auch im Orchester offenbarte, dass die Tempi gehetzt wirkten, kaum ein Instrumentalsolo die richtige Farbe und Dynamik hatte, vom lockeren Konversationston wenig zu spüren war? Doch mit der Rosenüberreichung schienen alle Probleme wie weggewischt.
Regisseurin Helen Malkowsky hatte die Mischung aus festlichem Prunk, Liebeslyrik und derber Komik im zweiten Akt bewundernswert detailgenau im Griff und konnte im sonst so oft peinlichen dritten Akt den Kontrast von Slapstick und großen Gefühlen sogar noch steigern. Harald Thors Bühnenelemente, je nach Drehung klassizistische mit indirekter Beleuchtung, die an Museumsräume denken lassen, oder holzvertäfelte, die wie historische Wirtshäuser bzw. Studierkabinette wirken, wurden sehr beweglich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Zu behaupten, dass man heute Musik schreiben kann, die nicht den Zustand von Verheerung widerspiegelt, dem die Menschen im Spätkapitalismus unterworfen sind, heißt, Musik mit Scheuklappen schreiben, um es vorsichtig zu sagen», bemerkte Hans Werner Henze 1969 in «Musik ist nolens volens politisch». Später freilich relativierte er diese Behauptung, doch die...
Der Direktor der Wiener Staatsoper Ioan Holender sei so autark, dass es ihm egal sein könne, wer unter ihm österreichischer Kanzler ist, meinte einmal ein Kommentator. Mag sein. Oder auch nicht. Auf jeden Fall ist Holender stets streitbar, wenn es um die Belange seines Hauses geht. So hatte er im Vorjahr im Zusammenhang mit der geplanten Übertragung von «Elisir...
Im heutigen Opernalltag sind gute Tenöre, vor allem für Verdi und Wagner, Ausnahmeerscheinungen. In früheren Zeiten dagegen war die Konkurrenz so groß, dass viele nach heutigen Maßstäben erstklassige Fachvertreter rasch wieder in Vergessenheit gerieten. Für den systematischen Sammler historischer Recitals gibt es da immer wieder Entdeckungen zu machen.
Der...
