Stimmfutter für Fortgeschrittene
Obwohl sie nicht wirklich ein Repertoirestück geworden ist wie «Norma» oder «La sonnambula», gibt es von Bellinis (nicht auf Shakespeare, sondern auf Matteo Bandellos Novelle zurückgreifender) Romeo-und-Julia-Version «I Capuleti e i Montecchi» nicht weniger als 20 Aufnahmen. Bei den meisten handelt es sich um Live-Mitschnitte, der letzte (mit Anna Netrebko und Elina Garanca) kam vor sechs Jahren bei der Deutschen Grammophon heraus. Um auf dem Markt mit einer weiteren Veröffentlichung bestehen zu können, muss man etwas Besonderes und Ausgefallenes bieten.
Dem Label Glossa ist das nun mit einer Produktion gelungen, die den großen Elegiker in neuem Licht erscheinen lässt. Fabio Biondi und sein auf Musik des Settecento und historische Aufführungspraxis spezialisiertes Ensemble Europa Galante präsentieren uns eine Lesart, die den Musikdramatiker in den Vordergrund rückt, teilweise auf Kosten der ausschweifenden melancholischen Melodienseligkeit, die man oft mit Bellini verbindet.
Schon in der Ouvertüre stieben die Funken. Dann wird man in eine spannende Aktion hineingerissen, überhört die Konventionalität mancher Nummern, die auch der Eile zuzuschreiben ist, in der Bellini dieses für ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Ekkehard Pluta
Einen Liederzyklus von Franz Schubert mit dem Titel «Poetisches Tagebuch» gibt es nicht, wohl aber neun Einzellieder auf Texte des jung verstorbenen romantischen Dichters Ernst Schulze, die Schubert der posthumen Ausgabe von dessen «Poetischen Tagebuch» entnahm. Nur zwei dieser Lieder hat Schubert zu einem Liederheft mit eigener Opuszahl zusammengefasst, darunter...
Endlich wieder ein Skandal an der Pariser Oper! Es ist erfrischend. Gelacht wird in der Aufführung, gerufen und geheult, so laut, dass der sonst so gelassene Philippe Jordan den Zuschauerraum um Ruhe bitten muss, damit man wenigstens das (von Christophe Grindel betörend schön gespielte) Englischhornsolo hören kann. Seit den Gerard Mortier-Jahren haben wir eine...
Ich habe einen Hang zur Faulheit. Meine neueste Lebensentscheidung kann man deshalb nur als Irrsinn bezeichnen. Ich geb jetzt nämlich auch den Regisseur. Warum denn nicht? Zwei wichtige Voraussetzungen bringe ich mindestens mit: eine ordentliche Portion Arroganz und ein schrilles Outfit für die Premiere.
Vorgestellt hatte ich mir das folgendermaßen: Inspirierende...
