Stimme der Natur
Am Anfang glaubt man Jenufas Mühle zu hören. Nur dass es keine Wassermühle ist, die in Déodat de Séveracs Kurzoper «Le Cœur du moulin – Das Herz der Mühle» (1901-1908) klappert, sondern eine der charakteristischen Windmühlen im südfranzösischen Languedoc. Der Mistral streicht sanft durch die Segel und schwillt dann mächtig an.
Auch Janáceks Pantheismus ist in dieser Musik mit Händen zu greifen – allerdings in einer rauschhaft-nietzscheanischen Variante: Jacques, der bäuerliche Heimkehrer auf die väterliche Scholle hört die Erde, das Herz der Mühle, den murmelnden Bach singen. Und zwar ganz real, als irisierenden Chor in gereimten Sechshebern. Unterdessen verleiht das Orchester dem Wasser, dem Wind, dem Boden und der Hitze lautmalerisch Stimme. Im Gegenzug zur Vermenschlichung der Elemente singen die Winzer verwehte Vokalisen, kaum verständliche Worte, als gehörten auch ihre Arbeitsabläufe und Bräuche zur Seele der Natur. Vertont ist das veristische Bauern-Drama à la «Tiefland» oder «Cavalleria rusticana» in einer an Debussy gemahnenden, doch eigenständigen Klangsprache. Orgiastisch feiert sie die Verschmelzung von Mensch und Natur – ganz im Sinne der Lebensreform-Bewegungen der ...
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Opernwelt September/Oktober 2010
Rubrik: Medien | CDs und DVDs, Seite 42
von Boris Kehrmann
Endlich einmal sagt es einer. So einfach, wie er es sagt, ist es zwar nicht. Aber immerhin. Während der Bayreuther Festspiele 2010 gab Jonas Kaufmann, der als Lohengrin dort einen großen persönlichen Erfolg feierte, der Deutschen Presseagentur ein Interview. Darin nahm er seine Kollegen in Schutz und meinte, es gebe «keine Krise des Wagner-Gesangs»: «Das Geheimnis...
Plappern gehört zum Handwerk. Siegfried Matthus, Komponist und Impresario im brandenburgischen Rheinsberg, war noch nie auf den Mund gefallen, wenn es um die Beförderung der eigenen Sache ging. Ohne seine PR-Arbeit wäre die Idee, am Jugendsitz des Preußenkönigs Friedrich II. ein Festival für Nachwuchssänger einzurichten, wohl nie realisiert worden. «Kammeroper...
Für John Eliot Gardiner war Anthony Rolfe Johnson über viele Jahre die erste Wahl, wenn er für seine Bach-, Händel- oder Mozart-Einspielungen die Tenorpartie besetzte. Unvergessen sind das silbrig-weiche Timbre, die feine Artikulation und die sängerische Intelligenz dieses aus der Guildhall School of Music in London hervorgegangenen Lyrikers, der erst spät zu...
