Starkes Plädoyer

Bremerhaven Reimann: Melusine

Opernwelt - Logo

Schon zum dritten Mal in dieser Spielzeit trumpft das Bremerhavener Stadttheater mit einer Rarität auf: Nach Donizettis «Maria Stuarda» und Massenets «Don Quichotte» präsentiert Intendant Peter Grisebach jetzt Aribert Reimanns «Melusine», von K. H. Ruppel seinerzeit als «eine der interessantesten und sublimsten modernen Opern» (OW 9/1973) bezeichnet, zum ersten Mal im norddeutschen Raum: in einer wenn auch nicht durch Originalität Aufsehen erregenden, so doch musikalisch wie szenisch präzis durchgearbeiteten Produktion.

Das bekommt dem 1971 in Schwetzingen uraufgeführten Werk mit seinem literarisch anspruchsvollen, auf Yvan Goll zurückgehenden Libretto und der immer wieder ins Kühl-Manieristische auf Distanz gehenden Komposition nicht schlecht.
Stephan Tetzlaff ist seinem Orchester zu einem Garant für qualitätvolle Partiturausdeutungen mit oft erheblich über die C-Einstufung hinausreichendem Niveau geworden. Auch diesmal vermag er dem Ruf des Besonderen gerecht zu werden. Glasklar kommen die esoterischen, der Titelfigur zur Verdeutlichung ihres Nixenwesens zugeordneten Klangbereiche mit ihren Debussy- und Webern-Reminiszenzen, leidenschaftlich wogt das große, unverstellte Gefühl im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2009
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Bekannte Gesichter, gemischte Gefühle

Die Unsitte, Klassik-Stars wie ihre Kollegen aus der Pop-Branche als Sexsymbole zu verkaufen, treibt weiterhin seltsame Blüten. Die EMI glaubte nun, ein anspruchsvolles Programm mit dem verheißungsvollen Titel «Midsummer Night» durch Hochglanzfotos der Interpretin «an den Mann» bringen zu können. Die englische Sopranistin Kate Royal, durchaus mit Model-Qualitäten...

Abschied mit Ödipus

Die meisten Menschen unterscheiden mühelos zwischen rituellem Theater (wie es etwa im alten Griechenland oder in entlegenen indischen Dörfern existiert/e) und der zeitgenössischen Kulturindustrie Europas oder Amerikas. Der Regisseur Peter Sellars lässt diese Unterscheidung nicht gelten. Anlässlich der Abschiedsfeierlichkeiten der Los Angeles Philharmonic für ihren...

Liedhafte Intimität

«Ferdinand Leitner, ja der konnte alles, den ganzen Wagner genauso wie Fortner, Orff und Weill. Und er konnte es gut! Das war eben kein Routinier, sondern wirklich ein hervorragender Musiker». So urteilte Martha Mödl über den Dirigenten, dessen Image lange Zeit von seiner Stuttgarter Zeit geprägt war. Das Württembergische Staatstheater wurde in den fünfziger und...