Sonne, Mond und Sterne
«Juditha triumphans» auf der Opernbühne? Ein venezianisches Publikum im 18. Jahrhundert hätte dagegen wohl Einwände erhoben: zu wuchtig der Klang des opulent besetzten Orchesters (zu teuer im Übrigen auch fürs Budget des Impresarios), zu viele Chöre und kein einziges Duett, die Hierarchie der Figuren zu flach, stattdessen gleich fünf Sängerinnen im Ensemble mit weitgehend gleicher Tessitura.
Kein schriller Kastratenpart, kein nachtschwarz polternder Bass – wie überaus ungewöhnlich, hochwürdiger Herr Vivaldi! Für uns dagegen sind das alles überhaupt keine Argumente gegen eine spannende Musiktheaterproduktion – lateinisches Libretto hin oder her.
Die Regisseurin Elena Barbalich hat den Versuch gemacht – und es ist ihr mehr recht als schlecht geglückt. Tableaux vivants illustrieren den Fortgang des Geschehens, gemessenes Schreiten und fließende Stoffe bestimmen die Bewegung. Subtil kommen feministische Symbolik und unterschwellige Erotik zur Geltung, gespeist aus griechischer Mythologie und barocker Malerei. Barbalichs Trumpfkarte aber ist die Lichtdramaturgie, die das Libretto bereits enthält: Sonnen- und Monduntergang, Sterne und Fackeln, Morgengrauen, Sonnenaufgang, strahlendes ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Carlo Vitali
Der Norden der Brüsseler Innenstadt ist kein idyllischer Ort. Die großen Boulevards mit ihren pompösen Wohnblocks zerfransen am Nordbahnhof, der Straßenstrich wirkt am Sonntag noch deprimierender als sonst, das ganze Viertel ist eine von Büroeffizienz und Kommerz diktierte Bausünde der 90er-Jahre. In der großstädtischen Ödnis drängen sich nur vor dem Théâtre...
Lange war Houston Stewart Chamberlain (1855-1927) für die Forschung persona non grata. Man wollte mit dem Rassentheoretiker, der es im Wilhelminischen Reich zum Bestsellerautor brachte, die Ideologie des Wahnfried-Kreises um Cosima Wagner fermentierte und der schließlich von den Nazis zum «Seher von Bayreuth» überhöht wurde, nichts zu tun haben. Die einzige...
Vor genau 2000 Jahren überquerte der römische Feldherr Germanicus mit vier Legionen den Rhein, um im Kampf gegen die von Arminius geführten Germanen die Katastrophe der Varusschlacht auszubügeln – für das nahe dem Schlachtort gelegene Theater Osnabrück der Anlass, Georg Philipp Telemanns Oper «Germanicus» auf den Spielplan zu setzen. Das Stück des als...
