So fragil, so kostbar
Ohne großen Auftritt kommt Cecilia Bartoli nicht auf die Bühne. Bei der konzertanten Aufführung von Bellinis «La sonnambula» im Festspielhaus Baden-Baden rauscht die Diva im weißen Brautkleid mit langer Schleppe ein und flirtet sogleich mit den Zuhörern in der ersten Reihe.
Wenn Bartoli als Amina in der mit Höchstschwierigkeiten gespickten Kavatine «Sovra il sen la man mi posa» ihre Liebe zu Elvino besingt, tut die Mezzosopranistin das so, wie wir es kennen: mit Kopfschütteln und Augenrollen, mit wendigen, leicht meckernden Koloraturen, mit gelegentlich herausstechenden Spitzentönen. Ihre schauspielerische Umsetzung der Eifersuchtsszene mit Elvino (Celso Albelo) hat etwas von Kindertheater. Je länger aber der Abend dauert, desto intensiver wird Bartolis Spiel – und ihr Gesang. Besonders die beiden großen Szenen als Schlafwandlerin gelingen beeindruckend. Bartolis szenische Zurückhaltung schafft hier Intensität, die sich auch musikalisch ausdrückt. Das Manierierte weicht einem natürlicheren, stets vom Piano ausgehenden Melodiefluss; die für den Belcanto immens wichtige Balance zwischen allen Registern gelingt immer besser.
Dass der stürmisch gefeierte Abend letztlich zu einem ...
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Der erste Schock stellt sich ein, wenn der Vorhang hochgeht. Man fühlt sich in ein Filmstudio oder ins Laientheater versetzt: links das Portal einer Kirche – die Handlung spielt 1414 zur Zeit des Konstanzer Konzils –, rechts das schmucke Fachwerkhaus des jüdischen Goldschmieds Eléazar, dazwischen ein Platz, der den Blick auf einen Wehrgang freigibt. Ein...
Es waren starke Worte, die die Hamburger anno 1728 von der Bühne ihres Opernhauses zu hören bekamen: «Adel ohne Tugend Zier / kommt mir wie ein Storchnest für. / Denn auf hoher Bäume Wipfeln / und der höchsten Häuser Gipffeln / hat der Storch zwar sein Quartier / Übrigens hingegen tauget / gar zu nichts das ganze Tier.» Deutlicher als in dieser Arie des Rates...
Mit ihrer Überfülle an Musik, die man schon bei der Münchner Premiere 1781 durch drastische Striche kanalisieren musste, ist «Idomeneo» Mozarts reichste, experimentellste Oper. Bereits in der Ouvertüre mit ihren abrupten Einbrüchen wetterleuchtet jene nervöse Erregtheit, die das Psychodrama der Leidenschaften bestimmt, in dem die allesamt durch den Krieg...
