Sempre aperto - per tutto

Zwischen Oper und Konzert, zwischen Barock und Moderne: Die Altistin Ortrun Wenkel beherrscht die Kunst der ­wohlüberlegten Grenzüberschreitung.

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Die Initialzündung kam von Peter Stoltzenberg, damals Intendant in Heidelberg. Er hatte die junge, im Konzert­bereich schon weithin bekannte Altistin Ortrun Wenkel mit weltlichen Bach-Kantaten gehört und war hingerissen von ihrer theatralischen Ausstrahlung, die sie ohne szenische Unterstützung allein aus ihrer Persönlichkeit he­raus auf dem Podium entwickelte.

Also schrieb er ihr einen Brief und bot ihr auf seiner Bühne den Gluck’schen «Orpheus» an, der – es war 1971 – ein Riesenerfolg wurde und den Ausschlag dafür gab, dass die Sängerin mit der charaktervoll sonoren, mühelos und nie forciert bis in extreme Tiefen hinabsteigenden Stimme ihre Termine fortan zwischen Konzert- und Opernverpflichtungen aufteilte – und in beiden Bereichen auf ihrer Karriereleiter höchste Hö­hen erklomm.
Bis dahin war Ortrun Wenkels Weg nicht ohne äußere Widerstände, aber doch zielstrebig und ohne größere Rück­schläge verlaufen. Im thüringischen Jena wuchs sie beschützt im Schoß einer musisch-humanistisch gebildeten Familie auf und konnte schon früh ihr Stimmtalent erproben, wenn etwa ihre Großmutter, die sehr gut Klavier spielte, sie und ihre drei Geschwister zum Quartettsingen anleitete oder wenn sie ...

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Opernwelt Februar 2006
Rubrik: Retrospektive, Seite 68
von Gerhart Asche

Vergriffen
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