Sempre aperto - per tutto
Die Initialzündung kam von Peter Stoltzenberg, damals Intendant in Heidelberg. Er hatte die junge, im Konzertbereich schon weithin bekannte Altistin Ortrun Wenkel mit weltlichen Bach-Kantaten gehört und war hingerissen von ihrer theatralischen Ausstrahlung, die sie ohne szenische Unterstützung allein aus ihrer Persönlichkeit heraus auf dem Podium entwickelte.
Also schrieb er ihr einen Brief und bot ihr auf seiner Bühne den Gluck’schen «Orpheus» an, der – es war 1971 – ein Riesenerfolg wurde und den Ausschlag dafür gab, dass die Sängerin mit der charaktervoll sonoren, mühelos und nie forciert bis in extreme Tiefen hinabsteigenden Stimme ihre Termine fortan zwischen Konzert- und Opernverpflichtungen aufteilte – und in beiden Bereichen auf ihrer Karriereleiter höchste Höhen erklomm.
Bis dahin war Ortrun Wenkels Weg nicht ohne äußere Widerstände, aber doch zielstrebig und ohne größere Rückschläge verlaufen. Im thüringischen Jena wuchs sie beschützt im Schoß einer musisch-humanistisch gebildeten Familie auf und konnte schon früh ihr Stimmtalent erproben, wenn etwa ihre Großmutter, die sehr gut Klavier spielte, sie und ihre drei Geschwister zum Quartettsingen anleitete oder wenn sie ...
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Wien liebt, ehrt, achtet, pflegt seine große Musikvergangenheit. Sagt man. Liest man in Reiseführern. Gilt als communis opinio. Stimmt’s auch? Nach einer angemessenen Gedenkstätte für den wichtigsten aller Staatsoperndirektoren, für Gustav Mahler, kann man lange suchen. Eine mickrige Tafel an dem Haus, von dem aus er jahrelang zum Arbeitsplatz ging, um mit Alfred...
Ein (fast) leeres Bühnenhaus mit Hunderten kleiner Glühbirnen als schwebendem Himmel und einer Zugstange zum Sitzen, Schaukeln, Hangeln und Anlehnen; die Zuschauer auf einer Tribüne über dem Graben; zehn Musiker (mit Originalinstrumenten!) seitlich auf einer Empore; engagierte, musikalische Sänger; eine prägnante Regie und die präzise, lebendige, ausnehmend...
Nach der Premiere hatte Staatsoperndirektor Ioan Holender auf die Frage, ob man denn in Wien konservativer sei als anderswo, einen schönen Satz mit Nestroy-Qualität geprägt: «Die Wiener sind durchaus fürs Neue. Nur ändern darf sich nix.» Da aber nun Regisseur Barrie Kosky einiges an den gewohnten Topoi in «Lohengrin» zu ändern suchte, schien die Wiener Opernseele...
