Selten stimmig
Beeindruckend, wie sich das stilistische Bewusstsein für Mozarts Jugendopern entwickelt hat: Noch vor dreißig Jahren musste man sich mit den lauwarmen Aufnahmen Leopold Hagers begnügen, heutzutage wird das Gros der Interpreten den Werken zwischen Spätbarock und Frühklassik gerecht – unbestritten ein Verdienst der historischen Aufführungspraxis. Nicht von ungefähr ist die Neuproduktion von «Mitridate» am Théâtre des Champs-Elysées ein echter Hörgenuss.
Mit der von directeur général Michel Franck sorgsam ausgewählten Besetzung stellt sich ein seltenes Gefühl der Stimmigkeit ein: nicht, weil jedes Detail perfekt wäre. Sondern weil sich alles zu einem fesselnden Ganzen fügt. So wirkt Michael Spyres’ Stimme in der Höhe ein wenig gepresst. Doch er entspricht nicht nur in Klangfarbe und Tonproduktion genau dem in der eigentlich fast unsingbaren Titelpartie geforderten «Baritenor», er bringt auch die ideale Mischung von Heldischem und Virtuosität mit.
In der besuchten Vorstellung klingt Patricia Petibon als Aspasia hinsichtlich des Stimmvolumens etwas unterdimensioniert, zumindest im ersten Teil der Aufführung. Aber ihren stets feinfühligen Gesang zeichnen Geschmeidigkeit und Wärme aus, ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Christian Merlin
Dieser Name: Johannes Nicolaus Graf de la Fontaine und d’Harnoncourt-Unverzagt. Er will so gar nicht passen zu dem Mann, der von der Titelseite dieses Heftes ins Weite schaut. Dass er aus einem alten österreichischen Adelsgeschlecht stammte, war ihm so gleichgültig wie alles, was nach Konvention und Etikette roch. Ausgebeulte Hose, Gummistiefel, ein viel zu großer...
Bereits Ende November wurde in Aachen bekannt, dass GMD Kazem Abdullah seinen 2017 nach fünf Jahren auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird. Diese Nachricht kommt überraschend und ohne Angabe von Gründen. Abdullah hat mit der Nachfolge des umtriebigen Marcus Bosch 2012 kein leichtes Erbe angetreten und konnte, vielleicht aufgrund seiner eher scheuen Art, die...
Schon ein Jahr nach der Uraufführung kamen Francis Poulencs «Dialogues des Carmélites» 1958 im Teatro Nacional de São Carlos heraus – zunächst auf Italienisch. 1970 spielte man das Stück dort erstmals in der französischen Originalfassung. Nun, nach 45 Jahren, erfuhr der Dreiakter in Lissabon eine weitere Neudeutung – mit ausnahmslos portugiesischen Sängerinnen und...
