Selten schöne Sintflut
Am Schluss wird dann doch die bisher so manierlich mit Choristen und Solisten bevölkerte Treppenhaus-Bühne geflutet. Das Meerwasser bahnt sich ungehindert seinen Weg; über Stufen, Türschwellen und aus Wandöffnungen strömend – und – wir sind im doch so erhaltenswerten Théâtre du Capitole de Toulouse – auf wundersame Weise trotzdem nicht in den Orchestergraben laufend, wo Yves Abel dunkel lockende, glutvoll sich türmende Klänge in wohlfeile Bahnen lenkt.
Das todbringende Nass, es scheint die offenbar von den Präraffaeliten und Art-nouveau-Anhängern ersonnene, dabei nur mythische Bretagne-Stadt Ys unaufhaltsam untergehen zu lassen. Und das, weil wieder einmal zwei Frauen den gleichen Mann liebten: Mylio heißt der Ritter, dem Charles Castronovo tenorstählerne Attacke verleiht. Er hat eben die bereits anderwärtig bedrohte Stadt vor dem Angreifer Karnac (umdüstert: Franck Ferrari) gerettet. Und dafür möchte ihn jetzt die böse, ortrudhafte Königstochter Margared, aber auch ihre liebreizende Schwester Rozenn gern zum Mann haben. Der namenlose Königspapi (soigniert: Paul Gay) weiß nicht, wie er sich verhalten soll, und ruft erst mal den Stadtheiligen Saint Corentin (Eric Martin-Bonnet) um ...
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Das entscheidende Kriterium für die Repertoiretauglichkeit einer Barockoper sei nicht die Musik, sondern die Handlung, erklärte René Jacobs einmal. Während nämlich die Musik bei vielen Werken von hoher Qualität sei, besäßen nur wenige Libretti genug dramatische Stringenz, um heute noch auf der Bühne zu überzeugen. Wer einmal versucht hat, sich die Inhaltsangabe...
Von manchen außerabendländischen Ohren, aber auch von minder hochkunstmäßig geübten hiesigen, wird, so liest man, theatralisches Pathos, gehobenes Sprechen insgesamt, als eine Art von Wut, von Schimpfen empfunden. In gewisser Weise haben sich Komponisten und in der ferneren Folge auch Gesangskünstler diesen wohl in die Urmenschheit zurückreichenden,...
Wanderer, kommst du nach Meiningen und schaust dort im Theater «Elektra» von Strauss, dann ahnst du, was der Mensch anzurichten imstande ist. Voller Blut ist am Ende die Bühne. Alles, was hoffte, glaubte und liebte: hingerafft vom unstillbaren Durst der Rache. Inmitten der Blutorgie Orest, in der Hand das Beil. Wie ein Schrei gegen die Verwüstungen der Welt klingt...
