Sehnsucht nach dem «Draußen»
Ein Intendanz-Auftakt der leiseren, der eher unspektakulären Art: Tatjana Gürbacas Inszenierung von György Ligetis «Le Grand Macabre», mit der Generalintendant Hans-Joachim Frey als Nachfolger von Klaus Pierwoß seine Bremer Amtszeit beginnen lässt, verzichtet auf den Paukenschlag, der mit diesem so überschäumend vitalen Werk durchaus möglich gewesen wäre, und setzt auf die introvertierten, in Richtung Beckett gehenden Qualitäten des Stückes. Eine anerkennenswert ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Werk, die es dem Publikum indes nicht leicht macht.
Das von Klaus Grünberg und Monika Morsbach ohne viel Aufwand entworfene Einheitsbühnenbild trennt ein kühles, klinisch weißes «Drinnen» durch ein großes, im dritten Bild verhängtes Sichtfenster von einem nicht vorhandenen «Draußen», möglicherweise dem Sehnsuchtsort der Personen, zu dem einige von ihnen im vierten Bild nach dem imaginierten Weltuntergang kurz hingelangen, um dann aber wieder in den beengten Spielraum zurückzukehren und am Ende des Stückes in derselben Haltung wie zu Beginn hinauszustarren. Es sind Menschen der Jetztzeit, in Alltagskleidung, ohne kennzeichnende Attribute der Rollen, die sie bei Ligeti spielen sollen, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dem Typus des egomanischen, seine Ziele passioniert und rücksichtslos verfolgenden Künstlers begegnen wir in Erinnerungen des Benvenuto Cellini ebenso wie in den Memoiren von Hector Berlioz. Beide, das Renaissance-Genie und der romantische Künstler, bewunderten die Meister der Vergangenheit, beide kämpften um neue Methoden und Formen. In Cellinis Bericht über den...
Schon während der Aufführung hätte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können. Als sich am Ende, nach knapp zwei Stunden, die Bühnenrampen zu beiden Seiten des rund umlaufenden Podests in der aufgelassenen Gebläsehalle des Duisburger Industrieparks senkten und, bei langsam verlöschendem Licht, alle Mitwirkenden wie in einen schwarzen Sarkophag...
Der Titel war gut gewählt, denn er formulierte einen ersten Befund: «Angst vor der Zerstörung.» Um Positionen des Musiktheaters (natürlich besonders des Wagner’schen) zwischen Archiv und Erneuerung ging es bei einem hochkarätig besetzten Symposion während der Bayreuther Festspiele. Ein von der FU Berlin und den Festspielen gemeinsam initiiertes Wochenende, bei dem...
