Sechsmal hoch
Nicht nur in Roms Caracalla-Thermen, so viel darf spekuliert werden, auch in den Stadien der Welt dürften sie heute Kreisch-Ovationen auslösen. Farinelli/Senesino/ Carestini, das wäre so etwas wie Domingo/Pavarotti/Carreras in Potenz – für die feinen Kastratenorgane gäbe es ja Mikros und Mischpulte. So absurd mutet es also gar nicht an, dass die Stimmfach-Nachfolger ein wenig (und leicht verspätet) vom Tenor-Hype der Neunziger profitieren wollen.
Der CD-Titel «The 5 Countertenors» lässt also zunächst an vieles denken: «Granada» und «O sole mio» in Stratosphärenlage? Ein gemeinsam geschmettertes «Nessun dorma», vielleicht mit interpolierter Koloraturkadenz?
Das Ergebnis ist jedoch recht brav geraten. Keine Duette, keine Queerbesetzungen, keine Selbstironie: Die Silberscheibe versammelt weitgehend Nummern der üblichen Komponisten-Verdächtigen und vor allem den Freundeskreis von Max Emanuel Cencic: Dessen Firma Parnassus fungiert immerhin als Koproduzent. Alles «nur» vokale Visitenkarten also, von George Petrou und Armonia Atenea nervig-vibrierend befeuert, doch die haben es in sich. Vor allem, weil sie vorführen, wie sehr sich da ein Fach verästelt hat, das nur schwer unter dem ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 19
von Markus Thiel
Ein seltsames Schauspiel bietet sich dem Amazonas-Schiffer vor Manaus: Durchaus im gleichen, weiten Bett, aber mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten fließen der braune, träge, warme Amazonas und der behändere, dunkelkühle Rio Negro nebeneinander her, bis sie sich nach etwa dreißig Kilometern dann doch zusammentun.
Ob Ermanno Wolf-Ferrari je in der brasilianischen...
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Die 1963 geborene Lucia Ronchetti ist heute die nach Salvatore Sciarrino prominenteste musikalische Stimme Italiens. Mit Sciarrino verbindet sie das Interesse an Literatur sowie die Theatralizität ihrer Kompositionen, die, selbst wenn sie nicht für die Bühne bestimmt sind, fast immer eine starke szenische Latenz besitzen. In Mannheim kam jetzt ihr jüngstes...
