Se Vuol Ballare
Mozarts «Nozze di Figaro» kann es in der Aufführungsstatistik zwar nicht mit der «Zauberflöte» aufnehmen. Aber die erste pralle Frucht seiner Zusammenarbeit mit dem kongenialen Librettisten Lorenzo da Ponte ist alles andere als eine Rarität auf den Spielplänen. Gerade erfreut sich das Stück wieder etlicher Neudeutungen. Dabei fällt auf, dass der Trend, das Werk dezidiert politisch zu lesen, aus der Mode gekommen ist.
Die Vorlage, Beaumarchais’ brisantes Theaterstück «La folle journée», gilt mit ihrer klassenkämpferischen Stoßrichtung als Brandbeschleuniger der Französischen Revolution. Und Mozarts Idee, just diesen Stoff zu vertonen, war sicher mehr als eine kecke Laune, auch wenn da Ponte den Text merklich entschärfte. Jedenfalls gab und gibt es gute Gründe, die moussierende, an Witz und Pointen wahrlich reiche Buffa auf ihren gesellschaftskritischen, ja revolutionären Subtext hin abzuklopfen. Zumal sie ihre Binnenspannung und Komik ja eben aus jenem gesellschaftlichen Gefälle zwischen Adel und Personal, alter Ständegesellschaft und heraufdämmernder neuer Gesellschaftsordnung bezieht, das die mehr oder weniger heiteren Konflikte erst hervorbringt.
Drei neue «Figaros» in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Regine Müller
Giacomo Puccinis «La Bohème» ist die Geschichte einer Enttäuschung, die mit dem antibürgerlichen Eklat beginnt und mit der Flucht vor der Realität des Todes endet ‒ eine hymnische Feier der Jugend und deren rüde Entzauberung. Und weil die couleur locale der Oper so pariserisch ist wie wohl nur noch in Gustave Charpentiers «Louise», hat Jens-Daniel Herzog in seiner...
Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert war keine musikalische Gattung für die musikalische Identität einer Nationalkultur wichtiger als das Lied. Dies gilt auch für das seit der Hanse mit der deutschsprachigen Kultur eng verwobene Baltikum. Mit den poetischen Inhalten und der kleinen Form war es weitaus leichter, einen größeren Kreis zu erreichen als etwa mit...
In seinem «Macbeth», so schreibt Verdi im Februar 1865 an den Pariser Verleger und Theaterdirektor Léon Escudier, gebe es im Grunde genommen nur drei wichtige Partien, nämlich die Titelrolle, die Lady und – den Hexenchor. Denn, so notiert er weiter, die «Hexen beherrschen das Drama; alles stammt von ihnen. Sie bilden wirklich eine Persönlichkeit, und zwar eine von...
