Schönster Verzweiflungsgesang
Klaus Bachler lud, wen wundert’s, zum Auftakt seiner Münchner Intendanz gleich drei Sprechtheater-Regisseure ein, sich an der Oper zu versuchen. Einmal ging das gut (beim «Wozzeck» von Andreas Kriegenburg), einmal gründlich daneben (Christian Stückls knallbunte Sicht auf Pfitzners «Palestrina»). Jetzt durfte die Schweizerin Barbara Frey Janáceks «Jenufa» in Szene setzen. Sie ist eine behutsame Deuterin, der es nicht auf vordergründige Provokationen ankommt. Ihre Schauspielarbeiten leben in der Regel von klaren Bildern und präzisen Strukturen.
Was bei Horváth oder Tschechow gut funktioniert, eignet sich jedoch nicht notwendigerweise für Janácek.
«Jenufa» führt in ein kleinbürgerlich-erzkatholisches Milieu im Mähren des 19. Jahrhunderts. Die Männer sind Machos und sehen ihren Lebenssinn im Alkohol, die Frauen hüten Herd und Kinder. Jenufa trifft ein besonders hartes Schicksal; sie steht zwischen den Halbbrüdern Steva und Laca und hat ein uneheliches Kind. Ihre Stiefmutter tötet dieses Mal der Schande und erzählt der fiebernden Jenufa von einem angeblichen Unglück. Am Ende kommt alles ans Licht, Jenufa verliert ihre Ersatzmutter und hofft – zaghaft – auf eine Zukunft mit Laca, der zu ...
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Saverio Mercadantes 1850 entstandene Tragedia lirica «Virginia» stand schon lange auf der Wunschliste des Schatzsucher-Teams von Opera Rara: Die Auftrittsarie des Schurken Appio war bereits vor zwölf Jahren Teil eines Recitals, das der damalige Haustenor Bruce Ford für das englische Spezialisten-Label einspielte.
In der Aufnahme, die nun als dritte...
Schon der Begriff «Nowosibirsk» gilt im deutschsprachigen Raum als Synonym für das Ende der Welt. Umso erstaunlicher, dass eine Opernproduktion, die in Sibirien aus der Taufe gehoben wurde, bei ihrer Premiere an der koproduzierenden Pariser Bastille-Oper deutlich frischer, unkonventioneller und gegenwartsnäher daherkommt als der mitteleuropäische Mainstream.
Macbeth...
Die Kasseler Erstaufführung von Francis Poulencs aus seiner Zeit, aus dem Œuvre seines Schöpfers und über weite Strecken aus dem Genre Oper überhaupt fallendem Musiktheater wurde zum Überraschungserfolg. Was Reinhild Hoffmann aus den «Dialogen der Karmeliterinnen» machte, war der Gegenpol zu einer Inszenierung, die das Stück als neukatholisches Mysteriendrama...
