Schöner Schrecken
Manchmal erscheint der Opernbetrieb rätselhaft. Da existiert ein wahrhaft operntheatralisches Werk – heftige Leidenschaften, Hysterie bis zum Wahnsinn, pralle Figuren, eine vehement mitreißende Musik von erstaunlicher Ausdruckspalette – und dann wird dieses Werk höchst selten gespielt. Warum? Vielleicht hat es Prokofjew mit seinem «Feurigen Engel» doch zu toll getrieben. Eine junge Frau träumt als Kind von einem Engel, der dann sogar ihr Spielgefährte wird, bis sie ihn mit der Bitte um körperliche Vereinigung erzürnt.
Er verschwindet, will aber zu gegebener Zeit wieder in Menschengestalt erscheinen. Renata, so heißt die Frau, glaubt in einem Grafen namens Heinrich den verloren Geglaubten wiederzuerkennen. Das kurze Glück währt nicht lang. Wortlos verschwindet auch Heinrich. Seither sucht Renata verzweifelt nach ihm. Ein neuer Begleiter namens Ruprecht hilft ihr dabei, verliebt sich zugleich in die Frau. Dann geht es drunter und drüber. Ein Magier und ein exakter Naturwissenschaftler mischen mit, Ruprecht trägt ein Duell mit dem Phantom Heinrich aus und wird dabei schwer verletzt. Im letzten Akt treibt der Wahnwitz dem Gipfel entgegen. Renata tritt als Novizin in ein Kloster ein, ...
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Sympathie voraus. Das war stets die Devise, von Band zu Band. Kaum ein Musikschriftsteller, kaum ein groß angelegtes Werk, dem die uneingeschränkte Hochachtung von Station zu Station von vornherein so sicher gewesen wäre wie Ulrich Schreiber und seinem «Opernführer für Fortgeschrittene». Und das schon, aber keineswegs nur wegen der nachgerade gigantischen...
Frau Dasch, welche Bedeutung hatten die Eltern für Ihre Liebe zur Musik?
Für meine Eltern war Musik zentral. Sie hatten sich übers Singen kennengelernt, spielten Instrumente und lebten uns vor, dass gemeinsames Musizieren, egal auf welchem Niveau, Spaß macht. Von Familienfesten bis zu Weihnachtsgottesdiensten – es wurde keine Gelegenheit ausgelassen, ein...
Gerard Mortier besitzt die schöne Gabe, treu sein zu können. Künstler, die er schätzt, dürfen seine Karriere begleiten. Die Herrmanns sind das beste Beispiel dafür: Mit ihrem «Titus» begann einst in der Mortier-Ära das Brüsseler Mozart-Wunder, das sich dann mit derselben Inszenierung in Salzburg fortsetzte und zuletzt auch noch in Paris Zeugnis alter...
