Schöne bunte Kinderwelt
In Wolfgang Rihms «Eroberung von Mexiko» ist die Musik selbst schon Theater. Das Szenarium des Theaterrevolutionärs Antonin Artaud bildet nur den Ausgangspunkt eines visionären Entwurfs, der die rudimentären Handlungselemente – den Gegensatz von kosmischem und logozentrischem Denken in Gestalt des Aztekenherrschers Montezuma und des spanischen Konquistadors Cortez, die zugleich stellvertretend für die Polarität des Weiblichen und des Männlichen stehen – als assoziative Versatzstücke eines entfesselten Theaters benutzt, in dem der Klang selbst der Akteur ist.
Was Artaud 1936 in Mexiko suchte und in seinen Schriften umkreiste, war keine Verherrlichung der blutigen Aztekenherrschaft, sondern die Suche nach einer präkulturellen, archaischen Welt – nach «Stimmen, die nicht mehr der Welt der Ideen angehören» – , ein magisches Überschreiten der Vernunft, ein rituelles Aufbrechen der geschlechtlichen Ordnung also, deren starrer Zwang in der auch von Rihm manisch repetierten Formel «neutral - weiblich - männlich» anklingt. Rihm hat die in Artauds Szenarium nur imaginierten Bilder – Montezumas Ahnung vom Untergang seines Reichs, dem Auftreten der Spanier, dem Massaker und Tod Montezumas, ...
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Restauration oder Revolution, das ist hier, gleichsam als Fallbeispiel für die Gattung, die Frage: Glaubt man Heinrich Heine, der Leben und Werk seines Zeitgenossen Gioacchino Rossini mit großem Interesse verfolgte und kommentierte, dann lässt sich Ersteres aus der Musik des genialischen Italieners heraushören; neigt man hingegen der Ansicht Antonio Amores zu, dann...
Dass Smetanas «Verkaufte Braut» nicht bloß eine buntböhmisch-sentimentale Folkloreangelegenheit ist, sondern eigentlich den ungehobelten Umgang mit dem vermeintlich schwächeren Teil der Menschheit anprangert, der vom vermeintlich stärkeren aufgrund von größeren Muskeln und neun Monaten gesteigerter Empfindlichkeit stets rücksichtslos ausgenützt wurde, haben schon...
Die Zeitungen waren voll davon: «Nahezu offiziersmäßig», so staunte ein Rezensent, ritt im Salzburger «Rosenkavalier» Angelika Kirchschlager als Octavian auf einem «leibhaftigen Schimmel» zum zweiten Akt ein. Nun scheint es freilich nicht gar so überraschend, dass eine sportliche junge Sängerin keine Angst vor einem – vom Reitknecht am Zügel geführten – Pferd hat....
