Schmerzende Helle
«Nichts dazu sage ich», sind die ersten Worte des Königs Arkel. «Ich weiß nicht, was ich sage... Ich weiß nicht, was ich weiß... Ich sage nicht mehr, was ich will...», spricht die sterbende Mélisande. Es ist eine geheimnisvolle Welt des Schweigens, eine archetypische Traumwelt symbolbefrachteter Räume, in der Debussys einzige vollendete Oper «Pélleas et Mélisande» spielt.
Die Menschen in Allemonde – dem Schauplatz von Maurice Maeterlincks Schauspiel, das Debussy sich selbst als Text eingerichtet hat – leben wie Somnambule, wie Blinde unterm Bann der Todeserwartung in einer labyrinthischen, nebelhaft verschwimmenden Welt, in der niemals die Sonne scheint, man also auch den Himmel nicht sieht.
Kazuko Watanabe hat für Jossi Wielers und Sergio Morabitos erstmals in Hannover gezeigte Inszenierung (siehe OW 6/2003), die die beiden Regisseure jetzt in Stuttgart in überarbeiteter Form neueinstudiert haben, alle Erwartungen einer düsteren Familiengruft unterlaufen. Ihr weißer, fensterloser Einheitsraum – eine Mischung aus steriler Krankenhaus- und funktionaler Büroatmosphäre – verlegt die Handlung in einen nach hinten sich verengenden Korridor, der vorne Einblick in zwei kleinere Salons ...
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Ein schöneres Geschenk hätte sich Bernard Foccroulle zum Ende seiner fünfzehnjährigen Intendanz am Théâtre de la Monnaie kaum wünschen können: Strawinskys mozartisch luftiger, parodistisch buntscheckiger Operngimmick «The Rake’s Progress» als fulminantes Zaubertheater. Für diesen im besten Sinne unterhaltsamen Abend war Robert Lepage verantwortlich, der als...
Das Grauen nistet meist dort, wo wir es am wenigsten vermuten. Zwischen den Grashalmen eines Vorstadtgartens. Oder in einer Yuppie-Wohnung. Plötzlich ist es da, und niemand kann sagen, woher es gekommen ist. Das verwesende, von Ungeziefer befallene Ohr, das Jeffrey in «Blue Velvet» auf dem Rasen findet. Die privaten Videos, die Renée und Fred in «Lost Highway»...
Es ist eine Schlüsselidee des «Don Giovanni»: Die d-moll-Schläge des steinernen Gastes tauchen im Stück erst spät auf, aber sie eröffnen die Ouvertüre. Kraft und Magie des Übernatürlichen bilden ein akustisches Portal zu allem, was folgt. Mozart ist dafür, schon im 19. Jahrhundert, viel gerühmt worden. Nur: Die Idee stammt von Salieri. Die Ouvertüre zu dessen...
